Sedlmayr, Ernst Conrad (1868-1939), Agrarökonom

Sedlmayr Ernst Conrad, Agrarökonom. Geb. Czinfalva, Ungarn (Siegendorf, Bgld.), 18. 5. 1868; gest. Wien, 6. 6. 1939. Sohn des aus Bayern stammenden Zuckerfabrikanten Ernst S. Absolv. 1890 die Hochschule für Bodenkultur in Wien, wurde Verwalter in der Zuckerfabrik Acs (Ungarn) und Güterdir. in Slawonien. Den Praktiker S. berief man 1907 zum o. Prof. an die Hochschule für Bodenkultur in Wien auf den Lehrstuhl für landwirtschaftl. Betriebslehre, den er 1936 krankheitshalber aufgab. 1914/15 und 1928/29 Rektor, 1917 HR. 1908 gründete S. und leitete in der Sedlnitzky von Choltitz Folge die Unterrichtskurse für prakt. Landwirte. Wegen seines großen Wissens über die landwirtschaftl. Zustände in der Monarchie – „vielleicht der beste Kenner der Agrarverhältnisse des Balkans“ – war S. ab 1915 Fachreferent der k. u. k. Armee für zahlreiche Inspektionsreisen. S. erfuhr viele Ehrungen, so Franz-Joseph-Orden, 1929 Dr. h. c. der Landwirtschaftl. Hochschule Berlin, 1937 Komturkreuz des Österr. Verdienstordens. Sein Sohn Hans S. (1896–1984) war Kunsthistoriker, Vorstand der Inst. für Kunstgeschichte 1936–45 in Wien und 1951–64 in München, 1965–69 Vorstand des kunsthist. Inst. der Univ. Salzburg, korr. (1939) und w. (1941) Mitgl. der Österr., ab 1955 auch Mitgl. der Bayer. Akad. der Wiss. S.s zweiter Sohn, Kurt S. (1900–1965), Absolvent der Hochschule für Bodenkultur in Wien, war ein bedeutender Pflanzenzüchter.

W.: Die Landwirtschaft Serbiens vor dem Kriege, 1917; Die Landwirtschaft Montenegros vor dem Kriege, 1917; Die landwirtschaftl. Betriebsstatistik, 1925; Fruchtfolgen und die Aufstellung des Fruchtfolgeplanes, 1927; Zuckerrübenbau, 1928; Betriebserfolg und Jahresschlußrechnung in der Landwirtschaft, 1930; Die bäuerl. Landgutswirtschaft, 1930, japan. 1935; zahlreiche Beitrr. in verschiedenen Fachz. und der Wr. landwirtschaftl. Ztg. (teils separat als Broschüren publ.); usw.
L.: Jb. der Wr. Ges.; Kürschner, Gel.Kal. 1926, 1928/29, 1931, 1935; Wer ist’s?, 1935; 60 Jahre Hochschule für Bodenkultur 1, 1933, S. 45, 76, 92, 95, 97, 2, S. 58; Wer ist wer, hrsg. von P. Emődi, 1937; 100 Jahre Hochschule für Bodenkultur 1, 1972, S. 57, 60f., 238ff., 269f.; F. Renisch, Familie S., Rothermann, Patzenhofer, 1983 (mit Bild); H. S., Das goldene Zeitalter. Eine Kindheit, 1986; Dt. Biograph. Enz. (DBE) 9, hrsg. von W. Killy und R. Vierhaus, 1998; Archiv der Univ. für Bodenkultur, Wien. – Hans S.: Almanach Wien 136, 1986, S. 399ff. (mit W.).
(P. Ebner – M. Martischnig)  
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 12 (Lfg. 55, 2001), S. 92f.
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