Seeger, Rudolf (1888-1917), Botaniker

Seeger Rudolf, Botaniker. Geb. Brixen, Tirol (Bressanone/Brixen, Italien), 23. 12. 1888; gest. Prezzo, Tirol (Italien), 31. 7. 1917 (gefallen). Sohn des Forsttechnikers Theodor S. (s. u.). Nach der Volksschule in Brixen und Villach besuchte S. ab 1898 das Gymn. in Innsbruck, wechselte 1900–04 an das bischöfl. Gymn. Petrinum in Linz und maturierte 1906 am Staatsgymn. in Innsbruck. Nachdem S. 1906 an der Univ. Innsbruck Naturwiss. zu stud. begonnen hatte, wurde er 1908 Demonstrator und 1909 Ass. am Inst. für Botanik. 1911 Dr. phil. Da S. 1912 für das Freiwilligenjahr für untaugl. befunden wurde, seine Ass.Stelle jedoch bereits vergeben war, nützte er die Zeit zu wiss. Arbeiten sowie zur Vorbereitung auf die Lehramtsprüfung aus Naturgeschichte, Mathematik und Physik, die er 1913 ablegte. Ab 1913 wieder halbtags Ass. am Inst. für Botanik, war S. nebenher 1913–14 am Inst. für Nahrungsmitteluntersuchungen sowie als Probekandidat am Staatsgymn. in Innsbruck tätig. 1913 nahm er an der von Albert I., Fürsten von Monaco, geförderten Spitzbergenexpedition des Schweizer Ing. Hermann Stoll teil. Dabei sammelte er im Bereich des Eisfjordes Belege für pflanzenphysiolog. und anatom. Untersuchungen und legte in der Nähe der Waltransiederei und Funkstation Green-Harbour einen „Versuchsgarten“ für photokybernet. Stud. an arkt. Pflanzen an. Zudem überbrachte S. dem Inst. für Botanik sowie dem Botan. Garten der Univ. Innsbruck Pflanzenpräparate sowie lebende norweg. Pflanzen, dem befreundeten Pflanzentoxikologen Friedrich Kanngießer in Braunfels (Kreis Wetzlar) übersandte er mehrere Herbarbelege. Die wiss. Auswertung seiner Spitzbergensmlgg. wurde durch S.s freiwilligen Eintritt in den Militärdienst unterbrochen und blieb unvollendet. Dem 163. Landsturmbaon. an der Judikarienfront zugeteilt, wurde S. 1917 zum Lt. der Res. befördert und erhielt mehrfache Ausz. Von S., der eine vielfältige Sammlertätigkeit entfaltete, finden sich Pflanzenbelege in den Herbarien des Inst. für Botanik der Univ. Innsbruck, des Inst. für systemat. Botanik der Univ. Zürich sowie im Waldmus. Friedrich Kanngießer in Braunfels. Zu seinen und zu Ehren seines Vaters Theodor S. (geb. Klagenfurt, Ktn., 23. 12. 1858; gest. Innsbruck, Tirol, 6. 5. 1947), der ab 1884 in der Wildbachverbauung in Ktn., seit 1886 in gleicher Funktion in Südtirol und ab 1909 in Linz (Leiter der dortigen Wildbachverbauungssektion) tätig war (1919 HR, 1920 i. R.) und ebenfalls Pflanzen sammelte – auch sein Herbar befindet sich im Waldmus. F. Kanngießer – gab der Botaniker Murr (s. d.) dem von ihm 1929 neu beschriebenen Kratzdistelhybrid Cirsium carniolicum Scop. x arvense Scop.den Namen Cirsium Seegeriorum.

W.: Versuche über die Assimilation von Euphrasia (sens.lat.) und über die Transpiration der Rhinantheen, in: Sbb.Wien, math.-nat. Kl., 119, 1. Abt., 1910; Über einen neuen Fall von Reizbarkeit der Blumenkrone durch Berührung, beobachtet an Gentiana prostrata Haenke, ebenda, 121, 1. Abt., 1912; Die neuen botan. Anlagen (Garten und Inst.) der k. k. Univ. in Innsbruck, in: Österr. Botan. Z. 64, 1914; Bergsteiger-Erinnerungen aus Spitzbergen, in: Jahres-Ber. des Akadem. Alpenklubs in Innsbruck 21, 1914; Über Majoranfälschungen, in: Z. für Untersuchungder Nahrungs- und Genußmittel, sowie Gebrauchsgegenstände 29, 1915; Ein Beitr. zur Kenntnis der Lebensdauer arkt. und alpiner Holzgewächse, in: Mitt. der Dt. Dendrolog. Ges. 33, 1923 (gem. mit F. Kanngießer). – Mss.: Über die Schwefelquellen und den Schwefelsee bei der Amberger Hütte in der Sulztalalpe, Anatomie der Blätter mehr oder minder schmarotzender Rhinanthaceen, beide erwähnt bei F. Kanngießer, s. u.
L.: Innsbrucker Nachrichten, 16. 1. 1913, 9. 8. 1917; Voss. Ztg., 1. Beilage, 30. 9. 1913; K. W. v. Dalla Torre – L. v. Sarnthein, Die Farn- und Blütenpflanzen (...) von Tirol, Vbg. und Liechtenstein (= Flora der gefürsteten Grafschaft Tirol, des Landes Vbg. und des Fürstenthumes Liechtenstein 6, 4), 1913, S. 81; Österr. Botan. Z. 63, 1913, S. 95f., 67, 1918, S. 48, 69; Berr. der Dt. Botan. Ges. 35, 1917, S. 579; E. Heinricher, Das Neue Botan. Inst. der Univ. Innsbruck, 1914, S. 18; 65. Programm des k. k. Staats-Gymn. in Innsbruck ... 1913/14, 1914, S. 6; E. Heinricher, in: K. k. Leopold-Franzens-Univ. zu Innsbruck. Ber. über das Stud. Jahr 1916/17, 1918, S. 50ff.; Programm des k. k. Staats-Gymn. in Innsbruck ... 1917/18, 1918, (S. 3); R. Heuberger, in: Kriegs-Jahresber. des Akadem. Alpenklubs in Innsbruck ... 1914–19, 1919, S. 58ff.; F. Kanngießer, in: Mitt. der Dt. Dendrolog. Ges. 33, 1923, S. 39f.; ders., [R. S.], 1923 (Privatdruck); G. Hegi, Illustrierte Flora von Mittel-Europa 5/3, 1925, S. 1981; J. Murr, in: Magyar Botanikai Lapok 1929, S. 65ff.; J. H. Barnhart, Biographical Notes upon Botanists 3, 1965; G. Oberkofler – P. Goller, Materialien zur Geschichte der naturhist. Disziplinen in Österr.: Die Botanik an der Univ. Innsbruck (1860–1945) (= Veröff. der Univ. Innsbruck 179), 1991, S. 168; B. Wallnöfer – E. Vitek, in: Annalen des Naturhist. Mus. 101 B, 1999, S. 640, 648, 654; R. Seeger, Beitrr. zur Familiengeschichte. Ms., 1944 (im Familienarchiv Dr. Rudolf Seeger in Berndorf, Sbg.). – Theodor S.: Allg.forst- und holzwirtschaftl. Ztg. 58, 1947, S. 102; 100 Jahre Wildbachverbauung in Österr. 1884–1984, 1984, S. 101 (mit Bild).
(W. Neuner)  
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 12 (Lfg. 55, 2001), S. 100f.
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