Segenschmid, Franz Xav. (1839-1888), Architekt und Beamter

Segenschmid Franz Xav., Architekt und Beamter. Geb. Wien, 2. 12. 1839; gest. Baden (NÖ), 8. 6. 1888. Sohn eines Seidenzeugfabrikanten. Nach Absolv. der Realschule stud. er 1856–60 an der Techn. Hochschule in Wien, 1860–62 an der Akad. der bildenden Künste bei van der Nüll, Hlávka (beide s. d.) und Sicard v. Siccardsburg und arbeitete während dieser Zeit im Atelier von Romano, Schwendenwein (beide s. d.) und Sitte. Später wirkte er am Bau des Palais von Erzhg. Karl Ludwig (s. d.)und am Ausbau von dessen Schloß in Artstetten mit. 1867 unternahm er eine Stud.-Reise nach Dtld., Belgien und Frankreich, anschließend arbeitete er bei Friedrich Schmidt (s. d.), der ihn 1867 bei den Bauarbeiten von St. Stephan in Wien einsetzte, 1869 vollendete er die Adaptierungsarbeiten im Schloß Gödöllö, wurde Hofbaukontrollor, 1871 Hofsekr. und techn. Referent im k. k. Obersthofmeisteramt. In dieser Funktion erhielt er 1879 den Auftrag für den Bau des Gewächshauses (Palmenhaus) in Schönbrunn, das er gem. mit der Fa. (Ignaz) Gridl, dem führenden Unternehmen Wiens auf dem Gebiet des Gewächshausbaus, 1882 fertigstellte. Für dieses Projekt unternahm S. zahlreiche Stud.Reisen nach Dtld., Belgien und England, wo er sich v. a.beim Palmenhaus in Kew-Gardens bei London Anregungen für den Bau holte. Für das Palmenhaus, das größte Glas- und Gewächshaus dieser Art, wurde er 1882 mit dem Orden der Eisernen Krone ausgez. S., der eine große Privatsmlg. von Kupferstichen und Zeichnungen besaß, war Träger des Off.Kreuzes des belg. Leopolds-Ordens (1884), ab 1874 Ausschußmitgl. des Alterthums-Ver. zu Wien und wurde 1885 Korrespondent der Central-Komm. für Kunst und hist. Denkmäler.

L.: Fremden-Bl., 10. 6. 1888; Der Bautechniker 5, 1885, S. 265f.; Berr. und Mitth. des Alterthums-Ver. zu Wien 25, 1889, S. 72ff.; G. Kohlmaier – B. v. Sartory, Das Glashaus, ein Bautypus des 19. Jh. (= Stud. zur Kunst des 19. Jh. 43), 1981, s. Reg. (fälschl. Sengenschmid Franz v.); M. Wehdorn – U. Georgeacopol-Winischhofer, Baudenkmäler der Technik und Ind. in Österr. 1, 1984, S. 62f.; H. Prehsler, Gewächshäuser, inbes. jene des 19. Jh. und die Problematik ihrer Erhaltung. Unter bes. Berücksichtigung des Palmenhauses in Wien-Schönbrunn, techn. Diss. Wien, 1987, S. 50, 125; N. Nemetschke – G. J. Kugler, Lex. der Wr. Kunst und Kultur, 1990, S. 336; J. Kräftner, in: Parnass 11, 1991, H. 1, S. 81; E. Iby – A. Koller, Schönbrunn, 2000, S. 277; Archiv der Techn. Univ., HHStA, Archiv der Akad. der bildenden Künste, alle Wien; Mitt. Georg Wacha, Linz, OÖ.
(Ch. Gruber)  
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 12 (Lfg. 55, 2001), S. 111f.
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