Sehnal, Eugen (1851-1910), Architekt

Sehnal Eugen, Architekt. Geb. Kufstein (Tirol), 22. 12. 1851; gest. Wien, 12. 9. 1910. Sohn eines Polizei-Bez.Wundarztes. S. stud. nach dem Besuch der Oberrealschule in Wien-Schottenfeld 1869–73 am Polytechn. Inst. in Wien u. a. bei H. v. Ferstel (s. d.) und wurde in der Folge im Raum Wien und NÖ ein gesuchter Architekt auf dem Gebiet des Kommunalbaus, er entwarf u. a. die Rathäuser in Amstetten (1897/98) und Mistelbach (1901). Baurat S., dessen Arbeiten dem Repräsentationsbedürfnis seiner Zeit stark entgegen kamen, prägte v. a. das Stadtbild von St. Pölten, wo er erstmals 1883 mit dem neobarock geprägten Hauptgebäude der Sparkasse in Erscheinung trat. Es folgten weitere Aufträge für kommunale Bauten und Amtsgebäude, so vollendete er 1893 die Umgestaltung und Neufassadierung des Stadttheaters und noch im selben Jahr erfolgte der Baubeginn des neuen Postgebäudes nach seinem Entwurf. Der bedeutendste Auftrag S.s war jedoch die Errichtung des aus acht Gebäuden bestehenden K. Franz-Josef-Krankenhauses (S. gruppierte einzelne Pavillons um einen zentralen Verwaltungstrakt mit begrüntem Innenhof und Spitalskapelle), das 1894/95 von den Baumeistern Karl Schönbichler (s. d.), Franz Schulz und Richard Frauenfeld ausgeführt wurde. S. – auch im privaten Wohnbau tätig – setzte in seinem Œuvre „die Formimpulse des strengen Historismus unter dem Einfluß der neueren Entwicklungen in einen dekorativen Repräsentationsstil von provinzieller Note um, der sich bei geschickter Adaptierung des zur Verfügung stehenden Formenapparates für zahlreiche Bauaufgaben vom Rathaus bis zur Villa verwenden ließ“ (W. Kitlitschka).

W.: Gruftkapellen: Familien Vargemont, Hyrtl und Schöffel, 1878 (Friedhof, Mödling); Elisabeth-Spital, 1883–90, Gmd.Haus, 1884 (beide Wien 15); Amtshaus, 1885 (Wien 12); ehemaliges Baumgartner Casino, 1891/92 (Wien 14); usw.
L.: NWT, Fremden-Bl., 13. 9. 1910; Biograph. Jb. 15, (1910), Sp. 79; Thieme–Becker; A. Herrmann, Geschichte der Stadt St. Pölten 2, red. und ergänzt von K. Hübner, 1930, s. Reg.; W. Kitlitschka, Historismus & Jugendstil in NÖ, 1984, s. Reg.; K. M. Kisler, in: NÖ Kulturberr., Dezember 1987, S. 9; Th. Karl, in: Amtsbl. der Stadt St. Pölten, Mitt.Bl. des Kulturamtes 40, 1991, F. 3, S. 10; ders., in: St. Pölten Konkret 15, 1992, Nr. 5, S. 58f.; Die Kunstdenkmäler Österr. Wien X. bis XIX. und XXI. bis XXIII. Bez., bearb. von W. Czerny u. a. (= Dehio Hdb.12/2), 1996, s. Reg.; Die Kunstdenkmäler der Stadt St. Pölten und ihrer eingemeindeten Ortschaften, bearb. von Th. Karl u. a. (= Österr. Kunsttopographie 54), 1999, s. Reg.
(Ch. Gruber – Th. Pulle)  
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 12 (Lfg. 55, 2001), S. 114f.
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