Seidel, Ludwig Wilhelm (1802-1894), Buchhändler und Verleger

Seidel Ludwig Wilhelm, Buchhändler und Verleger. Geb. Weimar, Sachsen-Weimar (Dtld.), 18. 6. 1802; gest. Wien, 26. 5. 1894. Sohn des Rentamtmannes Philipp (1755–1820), der Diener (bis 1788) und Vertrauter Goethes war, Vater von Ludwig S. (s. u.); evang. AB. S. besuchte das Gymn. in Weimar und entschloß sich nach dem frühen Tod seines Vaters für den Buchhandel. Ab 1821 absolv. er seine Lehrjahre in Leipzig und Weimar und war dann in der Buchhandlung Ponthieu und Co. in Paris, ab 1826 bei C. Gerold (s. d.) in Wien angestellt. Zu Beginn der 30er Jahre erwarb S. die Hallersche Buchhandlung in Brünn (Brno), dann in Wien gem. mit Braumüller (s. d.), der seit einiger Zeit sein stiller Teilhaber in Brünn gewesen war, die Buchhandlung der Witwe v. Mösle, in der in erster Linie rechts- und staatswiss. Verlagswerke angeboten wurden. S. war vorerst ab 1836 stiller Gesellschafter der neuen Fa., bis 1840 die Fa. Braumüller u. Seidel protokolliert wurde, die bald zu den renommiertesten Buchhandlungen Wiens gehörte.1848 schied S. aus der Fa. aus und eröffnete auf dem Graben in Wien die Buchhandlung L. W. Seidel. Zwar behielt er aus dem bisherigen gem. Verlag wichtige staats- und rechtswiss. Werke, stellte jedoch sein Verlagsprogramm bald auf eine breitere Grundlage mit Schwergewicht auf med. und mathemat. Publ. Zuletzt machte sich die Fa., in die 1861 sein Sohn Ludwig S. (geb. Wien, 19. 10. 1835; gest. ebenda, 13. 4. 1900) als Teilhaber eingetreten war, unter dem Namen L. W. Seidel & Sohn auf dem Gebiet des militärwiss. Verlagswesens einen Namen. So wurde neben wichtigen Publ. des Kriegsarchivs usw. auch durch viele Jahrzehnte „Seidel’s kleines Armee-Schema“ hrsg. 1886 erhielt die Fa., deren Verlagswerke ab 1857 in der eigenen Druckerei hergestellt wurden, den Hoftitel. S. zog sich 1887 aus dem Geschäft zurück, das von seinem Sohn gem. mit dessen Neffen, Heinrich Tachauer, der, 1881 eingetreten, seit 1892 Prokurist und seit 1896 öff. Gesellschafter war, erfolgreich weitergeführt wurde. Nach Ludwig S.s Tod übernahm Tachauer die Fa. zur Gänze.

L. (meist auch für Ludwig S.): Wurzbach; Börsenbl. für den Dt. Buchhandel 61, 1894, S. 3316, 3469f.; Oesterr.- ung. Buchhändler-Corr. 35, 1894, S. 307, 39, 1898, S. 511; Verlags-Kat. von L. W. Seidel & Sohn ... 1848–98, 1898, (S. 3f.); (C. Junker), Skizzen zur Geschichte der ältesten Buchhandlungen Österr. (Tit. fict. der Österr. Nationalbibl.), (1924); A. Durstmüller d. J. – N. Frank, 500 Jahre Druck in Österr. 2, (1985), s. Reg.; Metzler Goethe Lex., hrsg. von B. Jeßing u. a., 1999, S. 96, 450 (zu Philipp S.). – Ludwig S.: Börsenbl. für den Dt. Buchhandel 67, 1900, S. 2959, 2991, 3378f.; Oesterr.-ung. Buchhändler-Corr. 41, 1900, S. 214.
(E. Lebensaft)  
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 12 (Lfg. 55, 2001), S. 117
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