Seidel, Moriz d. Ä. (1855-1933), Industrieller

Seidel Moriz d. Ä., Industrieller. Geb. Hacking, NÖ (Wien), 9. 8. 1855; gest. Salzburg (Sbg.), 1. 9. 1933. Sohn von Gustav S. (s. d.), Schwiegervater des Politikers Eugen Margarétha (1885–1963). S., der ab seinem 12. Lebensjahr das Färberhandwerk im väterl. Betrieb von Grund auf erlernt hatte, leitete nach dem Tod des Vaters (1887) zuerst gem. mit seinem Bruder Gustav, dann allein, den Familienbetrieb Gustav S.’s Söhne, dessen Erzeugnisse qualitativ einen ausgez. Ruf genossen. 1906 brachte er seine Fa. in die unter Mitwirkung der Creditanstalt und der größten österr. Färbereien und Druckereien gebildete Vereinigte Färbereien AG, Wien-Budapest-Reichenberg, ein. Um für diese auch nach dem Zusammenbruch der Österr.-ung. Monarchie und der polit. Trennung der Nachfolgestaaten eine einheitl. Leitung zu gewährleisten, wurde das Aktienkapital in eine Schweizer Holding, die Färbereien und Druckereien Trust AG, Chur, eingebracht. Komm.Rat S., ein anerkannter Fachmann auf seinem Gebiet und beeideter Sachverständiger, blieb vorerst Leiter der Schafwollfärberei in Wien-Hacking, später wurde er Präs. der gesamten AG. Er war zudem Vizepräs. der Ung. Textilfärberei AG und der Budapester Wollwaren Ausrüstungs AG, beide Budapest. S. starb in Salzburg während eines Festspielbesuchs. Sein Sohn, Komm.Rat DI Moriz S. d. J. (gest. Wien, 28. 12. 1969), folgte ihm in der Leitung des Hackinger Betriebes, der bis nach dem Zweiten Weltkrieg existierte, nach.

L.: N. Fr. Pr., RP, 3., Die Ind., 8. 9. 1933; F. Mathis, Big Business in Österreich 1, 1987, S. 103ff.; Zeuge der Stunde Null. Das Tagebuch E. Margaréthas 1945–47, bearb.von H. Hemetsberger-Koller, hrsg. von A. Brusatti, 1990, bes. S. 15; Mitt. Werner Filek-Wittinghausen (†) und Herbert Margarétha, beide Wien.
(E. Lebensaft)  
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 12 (Lfg. 55, 2001), S. 117f.
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