Seidl, Michael (1767-1842), Wirtschaftsbeamter und Mathematiker

Seidl Michael, Wirtschaftsbeamter und Mathematiker. Geb. Liebeschitz, Bez. Saaz, Böhmen (Liběšice, Tschechien), 29. 9. 1767; gest. Prag, Böhmen (Praha, Tschechien), 25. 1. 1842. Sohn eines Baumeisters. Bereits mit 16 Jahren in Liebeschitz zum Lehrergehilfen bestellt, wurde S. vom dortigen Kaplan in den Gymn.fächern privat unterrichtet. Adalbert Gf. v. Czernin, auf S.s vielseitige Talente aufmerksam geworden, vermittelte ihm eine Ausbildung als Wirtschaftsfachmann. Ab 1789 finanzierte er S. ein zweijähriges Stud. an der Univ. Prag, wo sich dieser in Mathematik und Naturwiss. weiterbildete und u. a. mit Franz J. v. Gerstner (s. d.) und dem Astronomen Anton Strnad, dessen Vorlesungen er hörte, bekannt wurde. Nach Absolv. dieser Stud. ließ Czernin S. in der landwirtschaftl. Praxis ausbilden und stellte ihn um 1794 auf seinen Gütern im Pilsener Kreis an. 1797 übernahm S. die Leitung der dortigen Eisenwerke, 1800 als Wirtschaftsrat die ökonom. Leitung der gesamten gräfl. Besitzungen. Bei seinem Tod, 1816, hinterließ Czernin S. ein Geldlegat sowie eine lebenslängl. Pension. S. trat daraufhin i. d. R. und übersiedelte 1817 nach Prag. Sein Verdienst besteht darin, mathemat. und naturwiss. Erkenntnisse mit den Bedürfnissen der prakt. Landwirtschaft verbunden zu haben. Seit 1804 führte er meteorolog. Messungen durch und beschrieb die Auswirkungen des Wetters auf Nutztiere und- pflanzen. In wiss. Kreisen bekannt, wurde er 1817 k. M., 1818 w. M. der Ökonom.- patriot. Ges. in Böhmen (ab 1827 Kassier und Sekr.), 1832 o. Mitgl. der Kgl. Böhm. Ges. der Wiss. (1837 Sekr., 1839 Dir.), Mitgl. der Landwirtschafts-Ges. von Wien(1832), von Tirol und Vbg. (1841) und der Stmk. (1841).

W.: s. u. bei Wurzbach; M. Kalina v. Jäthenstein.
L.: ADB; Egerländer Biograf. Lex.; Poggendorff 2; Wurzbach (mit W.); M. Kalina v. Jäthenstein, in: Abhh. der kgl. böhm. Ges. der Wiss. 2, 1843, F. 5, S. 1ff. (mit W.).
(R. Winter)  
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 12 (Lfg. 56, 2002), S. 126
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