Seifert, Adolf (1826-1910), Heimatforscher und Arzt

Seifert Adolf, Heimatforscher und Arzt. Geb. Welletitz, Böhmen (Veletice, Tschechien), 4. 3. 1826; gest. Saaz, Böhmen (Žatec, Tschechien), 11. 6. 1910. Bauernsohn. Nach Absolv. des Gymn. in Saaz 1844 besuchte S. die Univ. Prag, wo er zunächst die phil. Jgg. absolv. und ab 1846 Med. stud. Während der Revolution 1848 nahm er an den liberalen Bestrebungen der dt. Studentenschaft regen Anteil und gehörte zu den Mitbegründern der Lese- und Redehalle der dt. Studenten in Prag. 1852 Dr. med. Nach Saaz zurückgekehrt, führte er als prakt. Arzt eine gut gehende Praxis. Er engagierte sich in der Saazer Gmd.politik als einflußreiches Mitgl. der Liberalen Partei, wandte sein Interesse aber auch anderen Bereichen des kommunalen Lebens zu. Hervorzuheben sind seine Verdienste um den Hopfenbau der Stadt Saaz. 1860 war er an der Gründung des städt. Hopfenmarktes maßgebl. beteiligt, 1878–89 stand er dem Saazer Hopfenbauver. als Obmann vor. Durch die Hrsg. von Fachz., u. a. „Die Hopfenhalle“ (1859ff.), der ersten dt. Brauereiz., wurde S. überregional bekannt. Zudem verf. er Publ. zur Stadtgeschichte von Saaz, wobei die „Geschichte der königlichen Stadt Saaz von den ältesten Zeiten bis in die Gegenwart“, 1894, die bedeutendste ist. Die hist. Arbeiten des Autodidakten sind zwar durch Sammeleifer und Einblicke in die allg. Geschichte gekennzeichnet, entbehren aber eines wiss. Apparats und der analyt. Zusammenschau der hist. Ereignisse. Als prov. Archivar leitete S. 1903–05 ehrenamtl. das Saazer Stadtarchiv, dessen Bestände er ordnete und inventarisierte.

W.: Geschichte der Saazer Stadt-Decanal-Kirche zur hl. Mariä Himmelfahrt, 1898; Katechismus der Geschichte Böhmens mit bes. Berücksichtigung der Dt.böhmen, 1898; Die Leitmeritzer Diöcese nach ihren geschichtl., kirchl. und topograph. Beziehungen, 1899; Die Stadt Saaz im 19. Jh., 1902; Eine verschollene vorhussit. Kirche in Saaz, in: Mitt. des Ver. für Geschichte der Dt. in Böhmen 47, 1909, H. 2; Ein latein. Dialog betreffend den Familiennamen des hl. Johann von Nepomuk, ebd. 48, 1910, H. 1; etc.
L.: NFP, 12. 6. 1910; Egerländer Biograf. Lex.; Saazer Hopfen- und Brauerztg. 24, 1910, S. 2; H. Ankert, in:Mitt. des Ver. für Geschichte der Dt. in Böhmen 49, 1911, S. 94ff.; E. Stoll, Saazer Bilder aus vergangener Zeit, 1936 (mit Bild); Collegium Carolinum, München, Dtld.; Mitt. Peter Klepsch, Spalt, Dtld.
(J. Seidl – R. Winter)  
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 12 (Lfg. 56, 2002), S. 134f.
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