Seisl, Johann; vulgo Dalln-Hansei (1861-1933), Krippenschnitzer

Seisl Johann, vulgo Dalln-Hansei, Krippenschnitzer. Geb. Wörgl (Tirol), 22. 5. 1861; gest. ebd., 30. 5. 1933. Bauernsohn. Nach kurzen Unterweisungen durch den Bildschnitzer Franz Pernlochner d. Ä. absolv. S. 1881–83 den Militärdienst und leitete in der Folge das Elektrowerk der Gmd. Wörgl; erst 1897 nahm S. für kurze Zeit beim Bildhauer Korbinian Guggenbichler weiteren Unterricht. 1901 führte ihn eine erste Pilgerfahrt, deren Eindrücke er in seinen Krippenbauten umsetzte, nach Jerusalem und Bethlehem, 1906 folgte eine weitere Reise in den Orient. Ab 1907 trat S. mit seinen häufig effektvoll beleuchteten Krippenbauten an die Öffentlichkeit und schuf in der Folge große Kirchenkrippen in Tirol (u. a. für die Pfarrkirchen in Wörgl, 1910, Schwoich, 1912, Scheffau am Wilden Kaiser, 1918, Voldöpp, 1919, Thiersee, 1924), ferner für Neukirchen am Großvenediger (1919), Steyr (1926), für die Dominikanerkirche in Friesach (1928) sowie auch für private Auftraggeber. 1909 Mitbegründer des Tiroler Krippenver., dessen Tätigkeit er durch zahlreiche Vorträge in ganz Tirol unterstützte, arrangierte er auch Festumzüge und gestaltete Lourdesgrotten, Hll. Gräber, Grabdenkmäler etc. S. wirkte neben seiner künstler. Tätigkeit in verschiedenen kath. Organisationen, so u. a. als Obmann des kath. Arbeiterver. und als Vorstand der Wörgler Terziargmd.

W.: Publ.: Erlebtes und Erlauschtes aus der Krippenwerkstatt, 1929; Sitten und Gebräuche am hl. Abend, in: Der Krippenfreund 25, 1933, Nr. 88.
L.: P. S. Reider OFM, in: Tiroler Heimatbll. 11, 1933, S. 410ff. (mit Bild); J. Tremmel, in: Der Krippenfreund 25, 1933, Nr. 86, S. 2ff. (mit Bild); F. Grass, ebd. 50, 1963, Nr. 182, S. 528ff. (mit Bild); F. Kollreider, ebd. 51, 1964, Nr. 183, S. 549ff.; H. Bramböck, in: Lebensbilder zur Heimatkde. des Bez. Kufstein, 1990, S. 470ff. (Typoskript, Tiroler Landesmus. Ferdinandeum, Innsbruck); Krippenbau in Wörgl. Das Lebenswerk des Krippenvaters J. S. 1861–1933, (1993); H. W(irtenberger), in: Der Krippenfreund 80, 1993, Nr. 300, S. 82ff. (mit Bild); E. Egg – H. Menardi, Das Tiroler Krippenbuch, 2. erweiterte Aufl. 1996, s. Reg.; P. S. Reider OFM, Krippenvater J. S. Terziar und Laienapostel, o. J.; Dokumentation Tiroler Landesmus. Ferdinandeum, Bibl., Innsbruck, Tirol.
(E. Hastaba)  
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 12 (Lfg. 56, 2002), S. 144f.
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