Seligmann, Leopold von (1815-1897), Militärarzt

Seligmann Leopold von, Militärarzt. Geb. Nikolsburg, Mähren (Mikulov, Tschechien), 18. 1. 1815; gest. Wien, 9. 9. 1897; mos., später röm.-kath. Sohn von Isak, Bruder von Franz Romeo und Franz (beide s. d.), Onkel von Adalbert Franz S. (s. d.). Nach Absolv. des Gymn. trat S. 1832 als feldärztl. Praktikant beim Garnisonsspital Wien in die Armee ein. 1833 als feldärztl. Gehilfe zum IR 43 nach Fiume (Rijeka) transferiert, absolv. er ab 1837 den Höheren Lehrkurs an der Josephsakad. in Wien. 1843 Dr. med. und Mag. chir., 1843 auch zum Oberarzt befördert, war S. bis 1848 Truppen- bzw. Chefarzt in den Garnisonsspitälern Klattau (Klatovy) und Saaz (Žatec), Chefarzt des Marodenhauses in Theresienstadt (Terezín) und Truppenarzt bzw. Abt.chef des Militärspitals in Prag. 1848 wurde er als Chefarzt in das Festungsspital von Peschiera sowie anschließend in die Militärspitäler von Mailand, Brescia und Guastalla kommandiert. Während der Belagerung von Venedig 1849 war S. Chefarzt des Flottillenkorps. Als Truppenarzt im Jägerbaon. 16 machte er die Belagerung von Komorn (Komárno) mit. Nach Ende des Feldzuges wurde er Chefarzt im Militärspital von Nagykanizsa in Ungarn, von 1850–58 der Militärspitäler Budweis (České Budějovice), Pisek (Písek) und des Garnisonsspitals Prag. Während dieser Zeit war er 1850–52 im Stand des Festungsart.-Baon. 1, danach des Garnisonsspitals von Prag. 1855 Rgt.arzt I. Kl. 1859 wurde er im Hauptspital der Festung Verona verwendet, danach bei den Verwundetentransporten in das Festungsspital Peschiera. 1860 Chefarzt im Militärspital der Bundesfestung Rastatt, 1864 im Garnisonsspital 2 in Wien, 1865 im Garnisonsspital 1. Als Leibarzt Erzhg. Albrechts (s. Albrecht Friedrich Rudolf v. Habsburg-Lothringen) machte er 1866 den Feldzug in Oberitalien mit, wofür er mit dem Ritterkreuz des Franz-Joseph-Ordens ausgez. und zum Tit.-Stabsarzt ernannt wurde. 1867–68 beim Generalkmdo. Wien verwendet, wurde S. 1869 dem Kriegsmin. zugeteilt und wirkte führend bei der Neuorganisation des Armeesanitätsdienstes mit. Unter seiner Ägide erschienen ab 1871 Jahresberr. über die Sanitätsverhältnisse bei der Truppe, er verf. Vorschriften und Instruktionen für den Sanitätsdienst und veröff. in Fachz. beachtete Aufsätze. 1870 Stabsarzt, 1871 Oberstabsarzt II. Kl., 1872 Oberstabsarzt I. Kl. Die von ihm erarbeiteten Maßnahmen zur Bekämpfung der Cholera wurden während der Epidemie von 1873 erfolgreich umgesetzt, wofür S. 1874 der Orden der Eisernen Krone III. Kl. verliehen, und er danach statutengemäß in den Ritterstand erhoben wurde. 1876 trat er über eigenes Ansuchen i. d. R.

W.: Ueber die Diätordnung in den k. k. Militär-Spitälern, in: WMW, 1862, Nr. 9–10; Aneurysma der Brust- und Bauchaorta, ebd., Nr. 15.
L.: NFP, 10. 9. 1897; Eisenberg 2; Hirsch; Wininger; Wurzbach; S. Kirchenberger, Lebensbilder hervorragender österr.-ung. Militär- und Marineärzte, 1913; H. Jäger-Sunstenau, Die geadelten Judenfamilien im vormärzl. Wien, phil. Diss. Wien, 1950, S. 170; G. Schmidt – K. Holubar, in: WKW 102, 1990, S. 570ff. (mit Bild); KA, Wien.
(W. Rosner)  
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 12 (Lfg. 56, 2002), S. 155
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