Sermage von Szomszédvár und Medvedgrád, Richard Gf.; Ps. Probus, Otto Bernhard (1831-1903), Schriftsteller, Journalist und Politiker

Sermage von Szomszédvár und Medvedgrád Richard Gf., Ps. Probus, Otto Bernhard, Schriftsteller, Journalist und Politiker. Geb. Ofen/Buda (Budapest, Ungarn), 27. 8. 1831; gest. Graz (Stmk.), 4. 1. 1903; zuletzt evang. AB. Sohn von Dionys Gf. S. v. S. u. M. (geb. Graz, 4. 1. 1801; gest. Sveti Križ, Kroatien [?], 20. 9. 1870), k. k. Kämmerer (1837) und Statthaltereirat in Agram (Zagreb), und Rosa Gfn. Csáky, Cousin 2. Grades von Karl Johann Peter Gf. S. v. S. u. M. (s. d.), ab 1863 verehel. mit Franziska Gfn. v. Wurmbrand-Stuppach (1839–1921), nach der Scheidung (1886) mit Karolina Feldkirchen (geb. 1853), Vater von Alexandrine (Sandra) Gfn. S. v. S. u. M. (s. u.). Nach Besuch des Gymn. in Wien stud. S. an der Landwirtschaftl. Akad. Ung. Altenburg, lebte danach v. a. auf dem Familienbesitz in Oroslavje (Kroatien) und war bis Anfang der 90er Jahre Mitgl. des Landtags des Kg.reichs Kroatien und Slawonien (Magnaten), kehrte allerdings eigenen Angaben zufolge der aktiven Politik bereits Ende der 80er Jahre den Rücken. 1888 war er nach Graz übersiedelt, wo er in erster Linie für österr. und dt. Z. und Ztg. tätig war, im lokalen Bereich u. a. für das „Grazer Tagblatt“ und die Grazer „Tagespost“. In seinen Publ. kritisierte er trotz einer prinzipiell germanophilen, in erster Linie gegen die poln. und tschech. Separationsbestrebungen gerichteten Argumentationslinie Extrempositionen des liberalen Nationalismus oder Ultramontanismus und trat u. a. für den Ausgleich mit Ungarn ein. Belletrist. artikulierte sich S.s enge Bindung an Kroatien u. a. in dem Roman „Die Verlassenen“, 1889, der zwar im Adelsmilieu angesiedelt ist, in dem aber v. a. ein bedrückendes Bild von der Situation des ausgebeuteten Landproletariats gezeichnet wird. S. griff darüber hinaus bei der Vermittlung seiner polit. Ideen tw. zu tradierten literar. Genres, etwa dem des Totengesprächs in „Im Tartarus“, 1888, oder zum utop. Zeitsprung in dem fingierten hist. Essay „Rückblick auf Oesterreich im Jahr 2000“, 1898, in dem er den Zerfall des Habsburgerreichs und eine Neuordnung Europas im 20. Jh. voraussah. 1899 gründete S. in Graz den Ver. der Hausbesitzer, dessen Obmann er bis fast zu seinem Tod blieb. S.s Tochter, die Schriftstellerin Alexandrine (Sandra) Gfn. S. v. S. u. M., Ps. Alexandra, Alexander v. Troylus (geb. Oroslavje, 12. 8. 1864; gest. angebl. Dobia, Sowjet. Besatzungszone/Dtld., 1946), war eine zeitlang Hofdame der Hgn. Louise v. Coburg-Gotha. Neben Beitrr. in Z. veröff. sie den amateurhaften Ged.bd. „Verträumte Stunden“, 1895, und den dialogreichen Adelsroman „Das letzte Glück“, 1912.

W.: Doctor Wolf’s Kraftelixir, 1896; Im Exil (= Weber’s moderne Bibl. 39), 1902; etc.
L.: Agramer Ztg., 26. 9. 1870 (zu Dionys S. v. S. u. M.); Grazer Tagbl., Tagespost (Graz), Grazer Volksbl., 5. 1. 1901; Brümmer; Giebisch–Gugitz; Kosch; Wer ist’s?, 1905ff.; K. Adel, Geist und Wirklichkeit, (1967), s. Reg.; H. Brandstätter, Künstlerlex. (Hs., Stmk. LA, Graz, Stmk.). – Alexandrine S. v. S. u. M.: Brümmer; Kosch; Lex. dt. Frauen der Feder 2, ed. S. Pataky, 1898.
(G. Fuchs)  
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 12 (Lfg. 56, 2002), S. 189f.
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