Serwatowski, Theodor Alfred von (1836-1918), Großgrundbesitzer, Offizier und Politiker

Serwatowski Theodor Alfred von, Großgrundbesitzer, Offizier und Politiker. Geb. Odessa, Rußland (Odesa, Ukraine), 1836; gest. Lemberg/Lwów, Galizien (L’viv, Ukraine), Oktober 1918. Sohn eines Gutsbesitzers, Vater von Ladislaus v. S. (s. u.). S. besuchte die Genieakad. in Klosterbruck (Louka) bei Znaim und diente 1856–60 als Lt., zuletzt als Oberlt. beim 1. Geniebaon. Er bewirtschaftete in der Folge das Familiengut Bucniów (Bez. Tarnopol), wo er eine moderne Mühle mit einer äußert leistungsfähigen Wasserturbine errichtete und sich insbes. auch mit Viehzucht befaßte, und erwarb noch andere Güter, u. a. das nahegelegene Nastasów (Nastasiv). S. bekleidete verschiedene Ämter im öff. und wirtschaftl. Leben Galiziens, u. a. ab 1867 als Mitgl. des Bez.rats in Tarnopol (Ternopil’), ab 1868 der Galiz. Landwirtschaftsges. und 1886–88 als Reichsratsabg. Mehrfach war er Mitorganisator der landwirtschaftl. Ausst. in Lemberg. Sein Sohn, Ladislaus (Wladyslaw Józef) v. S. (geb. Bucniów, Galizien / Bucniv, Ukraine, 4. 7. 1873; gest. in der Sowjet-Ukraine, vermutl. 1940/41), besuchte das Jesuitenkolleg in Kalksburg (Wien) sowie das Theresianum in Wien und stud. ab 1893 Jus an der Univ. Lemberg, ab 1895 an der Univ. Wien, 1896–97 Agronomie an der Hochschule für Bodenkultur in Wien, ohne jedoch einen Stud.abschluß zu erreichen. Nach dem Einjährig-Freiwilligenjahr 1894/95 Lt. der Res., kehrte er 1898 nach Galizien zurück, wo er neben der Bewirtschaftung seiner Güter auch eine vielfältige Tätigkeit in wirtschaftspolit. Institutionen, u. a. in der Galiz. Landwirtschaftsges. (ab 1901), entfaltete. Ab 1904 Mitgl. des Bez.rats von Buczacz (Bučač), erhielt S. Zugang zu verschiedenen Gremien auf Bez.- und Landesebene, 1911–18 war er Reichsrats-, 1913–14 galiz. Landtagsabg. In beiden Parlamenten gehörte er dem konservativen Flügel des Polenklubs an und war v. a. in wirtschaftl. Belangen (Mitgl. mehrerer wirtschaftspolit. Komm.) engagiert. Nach dem Krieg, in dem er auf Seiten der österr.-ung. Armee diente, wurde er im unabhängigen Polen zunächst automat. Mitgl. des Sejm (bis 1922), danach widmete er sich erneut der Bewirtschaftung seiner Güter. 1940 wurde er von den Sowjets verschleppt.

L.: PSB (mit L.); T. Żychliński, Złota księga szlachty polskiej 25, 1903, S. 100; W. Pruski, Hodowla zwierzat gospodarskich w Galicji w latach 1772–1918, 2, 1975, s. Reg.; ders., Dwa wieki polskiej hodowli koni arabskich (1778–1978) i jej sukcesy na świecie, 1983, S. 165; KA, Wien. – Ladislaus v. S.: Freund, 1911, s. Reg.; PSB (mit L.); Kto byl kim w Drugiej Rzeczypospolitej, 1994; Archiv der Univ. für Bodenkultur, KA, UA, alle Wien; Derzavnyj archiv L’vivs’koji oblasti, L’viv, Ukraine.
(H. Binder – A. Szklarska-Lohmannowa)  
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 12 (Lfg. 56, 2002), S. 194
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