Seßler von Herzinger, Viktor Felix Frh. (1836-1899), Industrieller

Seßler von Herzinger Frh. Viktor Felix, Industrieller. Geb. Wien, 10. 12. 1836; gest. Graz (Stmk.), 14. 1. 1899. Enkel von Josef Seßler (s. d.), unehel. Sohn der Antonia Seßler (gest. 16. 12. 1836) und des Arztes Dr. Josef Gugstascher, ab 1858 verehel. mit Helene Freiin v. Herzinger (geb. 21. 9. 1836; gest. Graz, 26. 1. 1882), der Tochter des FML Anton Frh. v. Herzinger. Nach Absolv. des Gymn. diente S. ab 1855 mit Unterbrechung in verschiedenen Rgt. der Armee, zuletzt als Oblt. 1861 quittierte er endgültig den Dienst, um sich der Leitung der von seinem Großvater geerbten und bis zu seiner Großjährigkeit vormundschaftl. verwalteten Eisen- und Hüttenwerke im Mürztal sowie der landwirtschaftl. Güter in Großlobming, Thann, Farrach und Eppstein zu widmen. Wegen des großen Bedarfs an Holzkohle für seine Eisenwerke ließ S. Bauerngüter – v. a. im Freßnitzgraben und am Alpl – aufkaufen und aufforsten und trug damit wesentl. zum „Bauernlegen“ in dieser Gegend bei, womit er Vorbild für den „Kampelherrn“ in Roseggers (s. d.) Roman „Jakob der Letzte“ wurde. Trotz umfangreicher Modernisierungen in den 50er Jahren stagnierten S.s Unternehmen ab ca. 1860, u. a. wegen des Verlusts der italien. Märkte. Da das Krieglacher Werk zudem nur Puddelstahl erzeugte, geriet es Ende der 60er Jahre gegenüber den Bessemerstahlwerken ins Hintertreffen und verlor seine Bedeutung auf dem Blechsektor, weshalb S. fast seinen gesamten Besitz 1870 an die Vordernberg-Köflacher-Montanind.-Ges. verkaufte. Er behielt nur die Stanzer Hämmer, die er verpachtete, sowie den Grundbesitz bei den Hütten. S., der auch karitativ tätig war, stiftete Schulbauten etc. und engagierte sich im wirtschaftl. Leben der Stmk., u. a. bei der Gründung der Akad. für Handel und Gewerbe in Graz sowie diverser Geldinst. Er war zudem Vorsteher der Gmd. Großlobming, 1868–69 auch Vizepräs. der Handels- und Gewerbekammer in Leoben und einige Jahre stmk. Landtagsabg. 1866 wurde S. der Ritterstand mit dem Namen seines Schwiegervaters als Prädikat verliehen; 1869 Frh. Einer seiner Söhne, Viktor S. v. H. (geb. Graz, 17. 12. 1859; gest. Salzburg, Sbg., 22. 10. 1919), war GM.

L.: Grazer Tagbl., 14. (Abendausg.), Tagespost (Graz), 14., 15. 1. 1899; Wurzbach; O. Pickl, in: Steir. Unternehmer des 19. und 20. Jh., ed. F. Tremel, 1965, S. 30f.; B. Brandstetter, Die Handels- und Gewerbekammer in Leoben 1850–1920, 1977, S. 10; O. Pickl, Geschichte der Marktgmd. Krieglach, 1993, S. 172f., 454ff.; M. Wehdorn u. a., Baudenkmäler der Technik und Ind. in Österr. 2, 1991, s. Reg.; H. J. Köstler, in: Bll. für Heimatkde. 73, 1999, S. 35ff. (mit Bild); AVA, KA, beide Wien.
(J. Mentschl)  
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 12 (Lfg. 56, 2002), S. 195f.
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