Seuffert, Bernhard Joseph Luther (1853-1938), Germanist

Seuffert Bernhard Joseph Luther, Germanist. Geb. Würzburg, Bayern (Dtld.), 23. 5. 1853; gest. Graz (Stmk.), 15. 5. 1938. Sohn des Leiters des Juliusspitals in Würzburg. Nach Besuch des Gymn. in seiner Heimatstadt stud. S. ab 1871 klass. Philol. und Geschichte, später roman. Philol. und Sprachwiss. an der Univ. Würzburg, ab 1873 auch Germanistik am neuerrichteten Seminar für dt. Philol. bei Lexer (s. d.), legte 1875 die Lehrbefähigungsprüfung für die philolog.-hist. Fächer an bayr. Gymn. ab, prom. 1876 – nach einem Stud.aufenthalt in Straßburg (Strasbourg) bei W. Scherer (s. d.), Elias v. Steinmeyer und Wilhelm Studemund – bei Erich Schmidt an der Univ. Würzburg mit einer Arbeit über Friedrich Müller (genannt Maler Müller)und habil. sich 1877 in Würzburg für dt. Sprache und Literatur mit einer Untersuchung über „Die Legende von der Pfalzgräfin Genovefa“. 1886 wurde S. als unbesoldeter ao. Prof. für neuere dt. Sprache und Literatur an die Univ. Graz berufen (etwa gleichzeitig war er auch als Leiter des Goethearchivs in Weimar im Gespräch), 1892 o. Prof. in Graz, wo er trotz anderweitiger Berufungen bis zu seiner Emer. 1924 blieb und 1896/97 bzw. 1904/05 auch das Amt des Dekans, 1913/14 das des Rektors bekleidete. S., der in seiner 40jährigen Tätigkeit Graz zu einem Mittelpunkt neugermanist. Forschung machte und zu dessen Schülern u. a. Karl Pohlheim, Otto Rommel und Christine Touaillon gehörten, erhielt zahlreiche Ausz., u. a. 1914 k. M., 1921 w. M. der Akad. der Wiss. in Wien, k. M. der preuß. Akad. der Wiss. in Berlin, 1906 Orden der Eisernen Krone III. Kl., 1917 HR, 1927 Dr. phil. h. c. der Univ. Graz. S.s wiss. Schwerpunkte waren neben Maler Müller und dessen Zeit v. a. Goethe und Wieland gewidmet, auch in Zusammenhang mit seiner editor. bzw. redaktionellen Tätigkeit, u. a. für die Weimarer Goethe-Ausg., für die er einzelne Bde. (7, 18 und 19) hrsg., bzw. für die Wieland-Ausg., für die er ab 1904 auch grundlegende „Prolegomena“ verf. 1881 begründete S. die Reihe „Deutsche Litteraturdenkmale des 18. Jahrhunderts in Neudrucken“, die, bis Bd. 38 von ihm, danach von A. Sauer (s. d.) hrsg., ab Bd. 19 auch auf das 19. Jh. ausgeweitet wurde, 1888 die „Vierteljahrsschrift für Litteraturgeschichte“ (nach Bd. 6, 1893, eingestellt). Darüber hinaus konnte er auch mit seinen Beobachtungen über dichter. Komposition neue, richtungweisende Impulse setzen.

W.: Maler Müller. Im Anhang: Mitth. aus Müllers Nachlaß, 1877; Wielands Abderiten, 1878; Der Dichter des Oberon (= Smlg. Gemeinnütziger Vorträge 264), 1900; Teplitz in Goethes Novelle, 1903; Beobachtungen über dichter. Komposition I, II, III, in: German.-Roman. MS 1, 1909, 3, 1911; Goethes Theater-Roman, 1924; Mörikes Nolten und Mozart, 1925; zahlreiche Beitrr. in Euphorion, Goethe-Jb., etc. – (Mit)ed.: Grazer Stud. zur dt. Philol., 6 Bde., 1895–99 (gem. mit A. E. Schönbach); etc.
L.: H. Kleinmayr, in: Tagespost (Graz), 23. 5. 1933; J. Nadler, in: Almanach Wien 88, 1938, S. 324ff. (mit Bild); DBE; Kosch; K. Polheim, in: FS zum 200. Geburtstag des Dichters Ch. M. Wieland, 1933, S. 196ff.; E. Leitner, Die Neuere Dt. Philol. an der Univ. Graz 1851–1954 (= Publ. aus dem Archiv der Univ. Graz 1), 1973, S. 119ff. (mit Bild); Vom Seminar für dt. Philol. Univ. Graz zum Inst. für Germanistik ..., Graz 1994 (Kat., mit Bild); AVA, Wien; UA, Graz, Stmk.
(A. Kernbauer)  
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 12 (Lfg. 56, 2002), S. 198f.
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