Seuffert (Seifert, Seiffert), Eduard (1819-1855), Klavierbauer

Seuffert (Seifert, Seiffert) Eduard, Klaviermacher. Geb. Wien, 26. 6. 1819; gest. Döbling, NÖ (Wien), 6. 9. 1855. Sohn von Franz Martin S. (s. d.), in dessen Betrieb er den Klavierbau erlernte. Mit 18 Jahren begab er sich ins Ausland und arbeitete u. a. bei Pape und Erard (Paris), Vogelsang (Brüssel) und Broadwood (London). Nach seiner Rückkehr trat er 1842 als Compagnon in den väterl. Betrieb ein, den er 1847 übernahm. S. förderte talentierte Künstler und veranstaltete Soiréen für wohltätige Zwecke. Ab 1848 arbeitete Ehrbar (s. d.) in S.s Betrieb und wurde ab dem folgenden Jahr dessen Geschäftsführer. Aus gesundheitl. Gründen zog sich der Firmeninhaber immer mehr zurück, und Ehrbar übernahm die Verantwortung. Nach dem Tode S.s führte seine Witwe Rosa S. das Geschäft weiter und ehel. 1857 Ehrbar. Der Firmenname „Eduard Seuffert“ wurde auch in den folgenden Jahren beibehalten und wich erst allmähl. der Bezeichnung „Friedrich Ehrbar“, die als Traditionsmarke den Wr. Klavierbau maßgebl. beeinflußte und bis ins späte 20. Jh. existierte. Trotz seiner kurzen Schaffenszeit dürfte die Fa. unter S. einen beträchtl. Aufschwung genommen haben. Bereits 1849 bot er Klaviere „jeder Façon mit deutscher, französischer und englischer Mechanik“ an. S. soll der erste gewesen sein, der die Produktion arbeitsteilig gestaltete. Auch soll er keine Halbfertigprodukte zugekauft, sondern alle Komponenten im eigenen Betrieb gefertigt haben. Um den hohen Qualitätsstandard zu garantieren, behielt er sich die letzte Ausarbeitung der Instrumente selbst vor. Auf der Münchener Ind.ausst. 1854 erhielt die Fa. eine Goldmedaille.

L.: MGG, s. Reg.bd.; Wurzbach; S. Keess, Beschreibung der Fabricate ..., 1823, S. 199; Allg. Wr. Musik-Ztg. 3, 1843, S. 429f., 5, 1845, S. 337; J. Fischhof, Versuch einer Geschichte des Klavierbaues, mit bes. Hinblicke auf die Londoner Große Ind.-Ausst. ... 1851, 1853, S. 26, 30, 49, 79; L. A. Zellner´s Bll. für Musik, Theater und Kunst 1, 1855, S. 257; H. Haupt, in: Stud. zur Musikwiss. 24, 1960, S. 174; H. Ottner, Der Wr. Instrumentenbau 1815– 33 (= Veröff. zur Musikwiss. 9), 1977, S. 139; R. E. M. Harding, The Piano-Forte. Its History traced to the Great Exhibition of 1851, 2. Aufl. 1978, S. 242; V. Cizek, Die Geschichte der Fa. Seuffert und Ehrbar ..., wirtschafts- und sozialgeschichtl. DA Wien, 1989; M. Novak-Clinkscale, Makers of the Piano 1700–1820, 1993, S. 263; H. Fischer – Th. Wohnhaas, Lex. süddt. Orgelbauer (= Taschenbücher zur Musikwiss. 116), 1994, S. 385ff.; R. Hopfner, Wr. Musikinstrumentenmacher 1766–1900, 1999, S. 457; Ehrbar. Tradition der Wr. Klavierbaukunst, ed. H. R. Scholz, o. J., S. 21ff.; WStLA, Wien.
(R. Hopfner)  
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 12 (Lfg. 56, 2002), S. 199f.
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