Seybel, Emil (1816-1882), Industrieller

Seybel Emil, Industrieller. Geb. Berlin, Preußen (Dtld.), 11. 7. 1816; gest. Wien, 3. 7. 1882; evang. AB. Vater von Georg, Otto (s. d.) und Paul v. S. (s. u. Otto v. S.). S., der in Berlin und London vermutl. eine naturwiss. Ausbildung erhalten hatte, kam etwa 1840 nach Österr., um in die 1828 von seinem Stiefvater Karl Wagenmann (1787–1867) in Liesing (Wien) gegründete chem. Fabrik einzutreten, in der damals hauptsächl. die von Wagenmann entwickelte Schnell-Essigfabrikation und Chlorkaliumerzeugung betrieben wurden. S., der wegen einer schweren Erkrankung seines Stiefvaters sehr bald die Firmenleitung übernehmen mußte, entwickelte sich zu einem äußerst innovativen und weitblickenden Industriellen und gestaltete das in der Folge als Wagenmann, Seybel & Co. firmierende Unternehmen in kurzer Zeit zu einem führenden in der Chemiebranche aus. Bereits 1841 wurde die erste Bleikammer für Schwefelsäureerzeugung gebaut und die Fabrikation von Weinsteinsäure aus Weinstein und Weinhefe in Österr. eingeführt sowie die Erzeugung anderer Chemikalien in Angriff genommen. 1856 begann die Einführung von Schwefelkies zur Erzeugung von Schwefelsäure, wofür die firmeneigenen Bergwerke in der Stmk. und in Oberungarn den Rohstoff lieferten. So wurden 1857 in Cajla bei Bösing (Pezinok) und im selben Jahr in Kraubath (Stmk.) Fabriken zur Verhüttung der Erze vor Ort gegründet; 1858 wurde eine Niederlage in Wien-Wieden eröffnet. S., der sich ab 1842 im Nö. Gewerbe-Ver. engagierte, war auch als Jurymitgl. bei Gewerbeausst. international angesehen, gehörte zu den Gründern der Nö. Escompte-Ges., der Wr. Handelsakad.und der Neuberg-Mariazeller Gewerkschaft und war durch 20 Jahre Kassier des Ing.-und Architekten-Ver. Für seine Verdienste im In- und Ausland mehrfach ausgez., war er u. a. Ritter des Franz-Joseph-Ordens (1862) und Träger des Ritterkreuzes der Französ. Ehrenlegion. 1880 überließ S. das Unternehmen, dessen Alleineigentümer er 1865 geworden war, der Leitung seiner Söhne Otto, Paul und Georg.

L.: Exner, Gewerbe und Erfindungen, R. 1, S. 115f.;Großind. Österr. I, Bd. 5, S. 417f.; Wurzbach; C. v. Zimmermann-Göllheim, E. S. †, (1882); R. Granichstaedten-Czerva u. a., Altösterr. Unternehmer, 1969, S. 115; Oberkirchenrat der evang. Kirchengmd. AB, Wien.
(E. Lebensaft)  
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 12 (Lfg. 56, 2002), S. 204f.
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