Sichulski, Kazimierz (1879-1942), Maler und Karikaturist

Sichulski Kazimierz, Maler und Karikaturist. Geb. Lemberg/Lwów, Galizien (L’viv, Ukraine), 17. 1. 1879; gest. ebd., 6. 11. 1942; röm.-kath. Sohn eines Eisenbahning. S. stud. vorerst Jus an der Univ.Lemberg, wechselte aber 1901 an die Krakauer Akad. der bildenden Künste, wo er bis 1907/08 (u. a. bei Józef v. Mehoffer, s. d., und Leon Wyczółkowski) Malerei stud., 1902–03 bildete er sich an der Kunstgewerbeschule in Wien weiter, 1904 unternahm er Stud.reisen durch Italien und Frankreich. S., der sich in Zakopane von einer Tuberkuloseerkrankung erholen mußte, verbrachte den Winter 1904/5 bei den Huzulen, wo er Landschafts- und Genrebilder aus dem Leben der Goralen malte. In der Folge zeichnete er Karikaturen für die satir. Z. „Chochoł“ (1902) und „Liberum Veto“ (1903–05), 1904 veröff. er die Mappe „30 Karikaturen“, mit Bildnissen von Literaten, Malern und Schauspielern. 1905 wurde S.Mitgl. der Vereinigung der Poln. Künstler „Sztuka“ und im selben Jahr Mitarbeiter des berühmten Krakauer Kabaretts „Zielony Balonik“, für das er die Inneneinrichtung des Cafés und Einladungen entwarf. Während dieser Zeit fertigte er auch Porträts, Karikaturen von bekannten Künstlern, die meist Schauspieler in ihren Theaterrollen zeigen, und Genrebilder in Öl mit folklorist. (huzul.) Thematik. Nach einem kurzen Aufenthalt in Paris (1907) ließ er sich im selben Jahr in Lemberg nieder. Während seiner Militärdienstzeit (1914–17)zeichnete er Porträts und Karikaturen bedeutender Persönlichkeiten des Militärwesens. Ab 1918 lebte S. wieder in Lemberg, wo er 1920–30 an der dortigen Schule für Angewandte Kunst und Kunstgewerbe unterrichtete und sich in seinem Œuvre der hist. und religiösen Thematik zuwandte; 1918–19 zeichnete er Karikaturen für die Z. „Szczutek“ und 1920 für „Rzeczpospolita“; ab 1930 lehrte er an der Akad. der bildenden Künste in Krakau (Kraków); 1937 o. Prof. S. erhielt zahlreiche Preise und Ausz., u. a. von der PAU (1934) und von der Polskiej Akad. Literatury (1938). Sein Œuvre fand in zahlreichen in- und ausländ. Ausst. seinen Niederschlag (u. a. Warschau, Lemberg, Wien, München und Rom).

W. (auch s. u. bei E. Houszka): Die Verkündigung, 1908; Festzug der Huzulen, 1909; Madonna mit Engeln, 1909 (Österr. Galerie, Wien); Österr. Reichsrat in Karikaturen, 1912 (80 Karikaturen); Lamus, 1912 (gem. mit W. Jarocki); Verteidigung Lembergs, 1928; Schlacht bei Liegnitz, 1936–39; etc.
L.: Bénézit; PSB (mit L.); Thieme–Becker; Vollmer; E. Houszka, K. S., Wrocław 1994 (Kat., mit W. und L.); W. Aichelburg, Das Wr. Künstlerhaus 1861–2001, 1 (= Monographien zur Kunst Österr. im 20. Jh. 1/1), (2002), S. 338; Archiv Akad. Sztuk Pięknych, Kraków, Polen.
(R. Biernacka)  
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 12 (Lfg. 56, 2002), S. 223
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