Sieber, Franz Wilhelm (1789-1844), Botaniker

Sieber Franz Wilhelm, Botaniker. Geb. Prag, Böhmen (Praha, Tschechien), 30. 3. (5.) 1789; gest. ebd., 17. 12. 1844. Sohn eines Fuhrherren. Nach Absolv. des Gymn. begann S. eine Ausbildung in Architektur und Technik, ehe er sich der Botanik zuwandte. Diesbezügl. Forschungsreisen finanzierte er mit dem Verkauf von Herbarien und konnte sich aufgrund der Förderung von J. E. Pohl (s. d.) rasch unter Botanikern einen Namen machen. Seine erste größere Sammelreise führte ihn 1811–12 über Sbg. und Tirol nach Italien, von wo er mit über 20.000 Pflanzen zurückkehrte. Nach einem längeren Aufenthalt in Prag (in dieser Zeit stud. er einige Semester Med. an der Univ.) bereiste er 1816–19 Kreta, Ägypten und Palästina. Nach seiner Rückkehr nach Prag eröffnete er eine ägypt. Smlg., die er später der kgl. Akad. der Wiss. in München verkaufte. 1822 brach er zu einer Weltreise auf, die ihn ans Kap der Guten Hoffnung, nach Mauritius und Australien (1823 Sydney) führte. In Australien sammelte er ca. 120.000 Pflanzenexemplare. 1824 nach Europa zurückgekehrt, verbrachte S. die folgenden Jahre abwechselnd in Dresden, Leipzig und Prag und widmete sich dem Aufarbeiten seiner Smlgg. Er geriet jedoch in finanzielle Schwierigkeiten und hatte auch gesundheitl. Probleme. 1830 wurde er in Prag zwangsweise in eine Irrenanstalt eingeliefert, wo er 14 Jahre später verstarb. Die Bedeutung S.s ist nicht so sehr in seinen Publ. begründet, sondern in seinen botan. Smlgg. (ca. 500.000 Herbarbelege), die heute in den bedeutendsten Herbarien der Welt zu finden sind, u. a. im Naturhist. Mus. Wien sowie im Stmk. Landesmus. Joanneum.

W. (auch s. u. bei Wurzbach): Reise nach der Insel Kreta im griech. Archipelagus im Jahre 1817, 2 Bde., 1823; Reise von Cairo nach Jerusalem und wieder zurück, nebst Beleuchtung einiger hl. Orte, 1823; etc.
L.: Fischer; Hirsch; Wurzbach (mit W.); F. C. Dietrich, in: Jb. des Kgl. Botan. Gartens und des Botan. Mus. zu Berlin 1, 1881, S. 278ff.; J. H. Barnhart, Biographical Notes upon Botanists 3, 1965; H. M. Burdet, Cartulae ad botanicorum graphicen 13 (= Candollea 33), 1978, S. 365ff., 391f. (mit Hss.); F. A. Stafleu – R. S. Cowan, Taxonomic literature 5, 2. Aufl. 1985, S. 582ff.; J. und M. Martínek, Kdo byl kdo. Naši cestovatelé a geografové, 1998, S. 379f.; Mitt. Marie Makariusová, Praha, Tschechien.
(K. Zernig)  
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 12 (Lfg. 56, 2002), S. 227
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