Sieberer, Anton (1901-1950), Indogermanist, Linguist und Romanist

Sieberer Anton, Indogermanist, Linguist, Anglist und Romanist. Geb. Wien, 23. 12. 1901; gest. ebd., 11. 12. 1950. Sohn eines Beamten der nö. Statthalterei, Gatte (ab 1926) von Emmy S. (geb. Wien, 13. 8. 1904), einer Enkelin des Chirurgen E. Albert (s. d.), die u. a. auch als Komponistin hervorgetreten ist. S. stud. 1921–23 an der Univ. Wien Neuphilol., Vergleichende Sprachwiss. und Sanskrit, 1923–25 an der Univ. Leipzig (dort 1926 Dr. phil. mit der Diss. „Das Futurum in der Entwicklung der altgermanischen Sprachen“), 1925–26 wieder an der Univ. Wien; 1926 Lehramtsprüfung für Dt. und Engl., 1928 auch für Französ. Ab 1926 lehrte er an Wr. Mittelschulen. S. war langjähriger Vortragender und Kursleiter am Wr. Volksbildungshaus „Urania“ (Wortkde., Etymol., Satzbau und Mundart) und hielt 1932–37 auslandskundl. Vorträge im Wr. Rundfunk. Er war Gründer und Obmann der „Wiener Sprachgesellschaft“ und Hauptinitiator bei der Gründung der Z. „Die Sprache“, deren Schriftleiter er bis zu seinem frühen Tode war. S. habil. sich 1946 an der Wr. Univ. für Indogerman. Sprachwiss. (mit der Schrift „Über den Zusammenhang zwischen Lautveränderungen“); 1947 Erweiterung der Venia um Engl. Sprachgeschichte und Grammatik. Sein primäres Interesse gehörte den lebenden Sprachen, von denen er mehrere beherrschte; er unternahm ausgedehnte Reisen in Europa und Nordafrika, wobei ein längerer Spanienaufenthalt der Erforschung und Behandlung des katalan. Problems diente. Der Anglistik galten seine Anthol. „American Life and Literature“ und die wichtigen Aufsätze „Schicksalsglaube und Zukunft. Aus der Frühzeit des engl. shall-Futurums“ und „Die große englische Langvokalverschiebung, ihr Mechanismus und ihre Gründe“. Bedeutend sind S.s Beitrr. zur Sprachwiss., so seine Stud. „Primäre oder sekundäre Lautbedeutsamkeit?“, v. a. aber sein postum erschienenes Buch „Lautwandel und seine Triebkräfte“, dessen Aufnahme zeigt, welche Rolle S. in der Linguistik seiner Zeit gespielt hätte, wäre ihm ein längeres Leben vergönnt gewesen.

W.: Katalonien gegen Kastilien. Zur innenpolit. Problematik Spaniens, 1936; Spanien gegen Spanien, 1937 (auch französ.); Englisch für Alle, 1939, 4. Aufl. 1942 (gem. mit Emmy S.); Primäre oder sekundäre Lautbedeutsamkeit?, in: Österr. Akad. der Wiss., phil.-hist. Kl., Anzeiger 84, 1948; Schicksalsglaube und Zukunft. Aus der Frühzeit des engl. shall-Futurums, in: Die Sprache 1, 1949; Die große engl. Langvokalverschiebung, ihr Mechanismus und ihre Gründe, ebd. 2, 1950–52; Das Wesen des Deminutivs, ebd.; Lautwandel und seine Triebkräfte. Eine Stud. über den Zusammenhang von Lautveränderungen, 1958; Artikel in Fachz.; Reiseartikel in Ztg. – Ed.: American Life and Literature, 1949, 3. Aufl. 1957 (gem. mit N. Krejcik), gekürzte dt. Fassung: Amerikan. Literaturbrevier, ed. N. Krejcik – E. Sieberer, 1954. – Red.: Die Sprache 1f., 1949f.
L.: Inauguration Univ. Wien 1951/52, 1952, S. 57f.; Kürschner, Gel.Kal., 1950; Taschenjb. für Mittelschullehrer Oesterr. 2–6, 1929–37; H. Havers, in: Die Sprache 2, 1950–52, S. 129f.; Österreicher der Gegenwart, ed. R. Teichl, 1951; A. Martinet, in: Language 38, 1962, S. 283f.; H. Haenicke – Th. Finkenstaedt, Anglistenlex. 1825–1990 ... (= Augsburger I&I-Schriften 64), 1992; E. Marx – G. Haas, Lex. österr. Komponistinnen …, 2001, S. 528f. (zu Emmy S.); AVA, UA, beide Wien.
(M. Mayrhofer)  
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 12 (Lfg. 56, 2002), S. 228
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