Sieberer, Johann (Hans) Frh. von (1830-1914), Philanthrop und Versicherungsfachmann

Sieberer Johann (Hans) Frh. von, Philanthrop und Versicherungsagent. Geb. Going (Tirol), 11. 10. 1830; gest. Innsbruck (Tirol), 27. 4. 1914. Von unehel. Geburt. S. besuchte das Borromäum in Salzburg und das Franziskanergymn. in Hall in Tirol und soll dann in Wien stud. haben. 1856–60 war er 2. Sekr. Erzhg. Albrechts (s. Albrecht Friedrich Rudolf), wechselte jedoch dann in das Versicherungswesen, in dem er es bis zum Generalinsp. der Versicherungsges. Österr. Phönix und – aufgrund von ihm abgeschlossener hochdotierter Polizzen u. a. mit den Vertretern des K.hauses und der Hocharistokratie – zu beträchtl. Vermögen brachte. Er führte ein großes Haus in Wien, wandte sich jedoch später zunehmend sozialen Aufgaben zu: So stiftete er u. a. in Innsbruck ein Waisenhaus, das 1886–89 erbaut wurde und Platz für jeweils 100 Knaben und Mädchen bot und das er durch einen großzügig ausgestatteten Waisenfonds für alle Zeiten abzusichern versuchte. 1901 ließ er auf seine Kosten zwei Türme der Jesuitenkirche in Innsbruck erbauen, später auch die Dreifaltigkeitsgruppe über der Fassade aufstellen. 1904 stiftete er anläßl. der Vereinigung von Wilten und Pradl mit Innsbruck den „Vereinigungsbrunnen“ vor dem Innsbrucker Hauptbahnhof (1940 abgetragen). 1908–09 ließ S. ein Asyl für 200 Insassen errichten, das für die damalige Zeit zieml. modern konzipierte K. Franz-Joseph-Jubiläums-Greisenasyl, für dessen Erhalt er gleichfalls durch einen Fonds vorsorgte. Insgesamt dürften seine Stiftungen für die Allgemeinheit nach heutiger Wertschöpfung etwa 140 Mio. EUR betragen haben. S. erfreute sich, insbes. in Innsbruck, großen Ansehens; er wurde 1909 Ehrenbürger der Stadt Innsbruck und 1910 Frh.

L.: Innsbrucker Nachrichten, 27., 29., 30. 4., 1. 5., NFP, 28. 4. 1914; W. Eppacher, in: Amtsbl. der Landeshauptstadt Innsbruck 13, 1950, Nr. 11, S. 3ff.; ders., Die Wohltäter der Landeshauptstadt Innsbruck (= Veröff. aus dem Stadtarchiv Innsbruck 3), 1951, S. 11f.; G. Pfaundler, Tirol Lex., 1983; Dokumentation Tiroler Landsmus. Ferdinandeum, Bibl., Innsbruck, Tirol; Mitt. Ellen Hastaba, Innsbruck, Tirol.
(F. Plattner)  
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 12 (Lfg. 56, 2002), S. 228f.
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