Siedek, Viktor (1856-1937), Architekt

Siedek Viktor, Architekt. Geb. Napajedl, Mähren (Napajedla, Tschechien) 19. 3. 1856; gest. Wien, 26. 1. 1937; röm.-kath. Sohn von Peter Carl (s. u. Oskar S.), Bruder von Richard und Oskar (beide s. d.), Vater des Architekten Richard S. (geb. Wien, 4. 3. 1902). Nach Besuch des Gymn. in Ung. Hradisch (Uherské Hradiště) wechselte S. nach Wien, wo er die Realschule absolv.; 1873–80 stud. er an der Wr. Techn. Hochschule (mit Unterbrechung 1874/75), wo er gem. mit einigen Kollegen 1877 den Studentenver. „Gondel“ begründete. 1882 weilte er auf einer Stud.reise in Rom und ließ sich im selben Jahr als freischaffender Architekt in Wien nieder. In der Folge erhielt er von Mitgl. des K.hauses, u. a. von den Erzhg. Karl Ludwig und Franz Ferdinand (beide s. d.), zahlreiche Aufträge für Adaptierungen bzw. Neubauten, u. a. für die Schlösser Eckartsau, Artstetten (beide NÖ) und Kis Topolcsany (Ungarn); von der adeligen Ges., so z. B. von Franz Josef Gf. Seilern und Aspang, für Schloß Leschna (Lešná) bei Lukov in Mähren. Auch zahlreiche Wohn- und Geschäftshäuser in Wien (u. a. für die Textilfa. Kohn und für die Erste Allg. Versicherung, beide in Wien 1) sowie Bauten in München (Café Prinzregent, Palais Brandl) zählen zu seinem Œuvre. Durch 20 Jahre fungierte er auch als Dir. des Konsortiums für Kasernentransaktionen; so wurden z. B. unter seiner Leitung und Planung auf den Gründen des Exerzier- und Paradeplatzes auf der Schmelz zahlreiche Mietwohnhäuser erbaut. S. war Mitgl. des Österr. Ing.- und Architektenver., 1910 Vizepräs. der Zentralvereinigung der Architekten Österr., Präs. der Österr. AG für Bauunternehmungen und der „Ziag“ Ziegel-Ind. AG in Wien; 1913 wurde S. mit dem Off.kreuz des Franz-Joseph-Ordens ausgez.

W. (auch s. u. bei U. Grießer): Umbauten: Schloß Eltz, 1895–1907 (Vukovar); Kapelle und Krypta, 1902 (Schloß Wenckheim, Doboz); Militärgeograph. Inst., Wien; etc.
L.: NFP, 28. 1. 1937; Eisenberg 1; Jb. der Wr. Ges.; Thieme–Becker; Toman; Die Kunstdenkmäler Wiens. Die Profanbauten des 3., 4. und 5. Bez., bearb. G. Hajós – E. Vancsa (= Österr. Kunsttopographie 44), 1980, s. Reg.; W. Brauneis, Die Schlösser im Marchfeld, 1981, S. 94; W. Kitlitschka, Historismus und Jugendstil in NÖ, 1984, S. 88; M. und B. Šćitaroci, Slawoniens Schlösser, 2000, s. Reg.; U. Grießer, V. S. Herrschaftsarchitektur in Österr.-Ungarn, phil. DA Wien, 2002 (mit W.); R. Siedek, Aus meinem Leben, o. J. (Ms., Materialiensmlg. ÖBL, Wien); Archiv der Techn. Univ., Wien; Mitt. Richard Siedek (d. J.), Wien.
(Ch. Gruber)  
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 12 (Lfg. 56, 2002), S. 231f.
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