Sieger, Eduard d. Ä. (1810-1876), Buchdrucker, Steindrucker und Verleger

Sieger Eduard d. Ä., Buch-, Steindrucker und Verleger. Geb. Wien, 12. 12. 1810; gest. ebd., 21. 1. 1876; röm.-kath. Sohn des Papierhändlers Florian (geb. 1776; gest. Wien, 16. 9. 1848), der 1815 in Wien ein Papierhandelsgeschäft eröffnet hatte, Vater von Eduard d. J. (geb. Wien, 20. 2. 1838; gest. ebd., 10. 2. 1902), Robert d. Ä. (s. d.) und Viktor (s. u. Robert d. Ä.), Großvater von Robert S. d. J. (s. d.). S. lernte ab 1826 im Geschäft seines Vaters und arbeitete anschließend in Prag bei Gottlieb Haase & Söhne, 1836 wurde er als Gesellschafter am väterl. Geschäft beteiligt, das ab diesem Zeitpunkt als Fa. F. Sieger & Sohn (nach dem Tod von Florian S. als Fa. F. Siegers Sohn) firmierte. In der Folge trat er in Kontakt zu Matthias Trentsensky, dessen lithograph. Anstalt er 1843 übernahm, und erhielt 1851 die Befugnis zur Erzeugung von Lithographien; im selben Jahr erfolgte die Firmierung als Fa. Eduard Sieger. Bis ca. 1880 druckte S. die weiterhin von Trentsensky verlegten, kulturhist. interessanten „Manndlbögen“, in denen populäre Ereignisse wie „Das Feldlager bei Wien im Jahr 1848“, „Donaudampfschiff“, „Pferdeeisenbahn“ und der „Huldigungsfestzug in Wien zu Ehren der Silberhochzeit des Kaiserpaares am 27. April 1879“ dargestellt wurden. Bekannt und beliebt waren auch die Papiertheater mit Szenen aus bekannten Dramen und Opern. Um 1858 kaufte S. die Buchdruckerei des für den oriental. Satz bekannten Michael Lell, für die er 1862 die Konzession erhielt. Ab ca. 1870 wurden in S.s Offizin künstler. anspruchsvolle Plakate gedruckt, wobei für die größeren Formate die Zinkplatte anstelle des Steines verwendet wurde. S. engagierte sich auch im berufsständ. Leben: So wurde er 1861 zum ersten Gremialvorsteher des Gremiums der Buch-, Stein- und Kupferdrucker gewählt, eine Funktion, die er bis 1871 innehatte, ab 1871 Mitgl. der Photograph. Ges.; 1863 goldenes Verdienstkreuz mit der Krone, Korrespondent der Geolog. Reichsanstalt, 1866 k. Rat. Nach seinem Tod übernahmen seine Söhne Eduard und Robert die Leitung des Unternehmens, wobei ersterer das Verlagsgeschäft leitete, während Robert die techn.-artist. Führung der Druckerei übernahm.

W.: Typographie, Lithographie, Xylographie und Kupferstech-Kunst, in: Exner, Gewerbe und Erfindungen 1.
L.: Die Presse, NWT, 22. 1. 1876; A. Mayer, Wiens Buchdrucker – Geschichte 1482–1882, 2, 1887, s. Reg.; Österr.-ung. Buchdrucker-Ztg. 30, 1902, S. 80 (für Eduard S. d. J.); Wien 1850–1900. Welt der Ringstrasse, Wien 1973, S. 114 (Kat.); A. Durstmüller d. J. – (N. Frank), 500 Jahre Druck in Österr. 1, 1981, S. 245f., 2, 1985, s. Reg.; H. Schwarz, Die Anfänge der Lithographie in Österr., bearb. E. Herrmann-Fichtenau, 1988, S. 46, 48; C. Junker, Zum Buchwesen in Österr. Gesammelte Schriften (1896–1927), ed. M. G. Hall (= Buchforschung. Beitrr. zum Buchwesen in Österr. 2), 2001, S. 287; MA 61, WStLA, beide Wien.
(Ch. Gruber – G. Wasshuber)  
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 12 (Lfg. 56, 2002), S. 237
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