Sieger, Robert d. Ä. (1840-1904), Buchdrucker, Steindrucker und Lichtdrucker

Sieger Robert d. Ä., Buch-, Stein- und Lichtdrucker. Geb. Wien, 23. 6. 1840; gest. Mödling (NÖ), 29. 8. 1904; röm.-kath. Sohn von Eduard d. Ä. (s. d.), Bruder von Eduard d. J. und Viktor (s. u.), Vater von Robert S. d. J. (s. d.). S., der ab 1871 gem. mit seinem Bruder Eduard als Gesellschafter in der Fa. des Vaters fungierte, übernahm 1876 die techn.-artist. Leitung der Buch- und Steindruckerei (nach dem Tod des Bruders ab 1903 Alleininhaber) und wandte in der Folge in der Fa. den Akzidenz-, Plakat- und Blechdruck sowie für sehr anspruchsvolle Druckvorlagen den Farbenlichtdruck an. Eine bes. Spezialität der Druckerei waren gedruckte Imitationen von Holz-Intarsien und von Elfenbein („Ivoirit“), die auf der Pariser Weltausst. 1878 große Anerkennung fanden. 1880 kaufte er die Holzschnitt-Kunstdruckerei von Ludwig Lott; 1883 wurde ihm der Titel eines k. k. Hoflieferanten verliehen, 1904 k. Rat. S. wirkte durch viele Jahre im Vorstand des Gremiums der Lithographen, Stein- und Kupferdrucker, gehörte dem Ausschuß des Gremiums der Wr. Buchdrucker an und war ab 1878 Mitgl. der Photograph. Ges. In seinen letzten Lebensjahren wurde er in der Führung der Druckerei durch seinen Sohn Ernst (geb. Wien, 5. 6. 1877) unterstützt, der 1904 die Prokura erhielt. 1906–11 fungierte S.s Witwe, Karoline, geb. Achtelstätter (geb. Darmstadt, Hessen-Darmstadt/Dtld., 21. 9. 1851) als Alleininhaberin der Fa., die in der Folge von dem dt. Industriellen Hermann Prinzhorn und dessen Sohn gekauft und von diesen gem. mit Angehörigen der Familie S. und dem Geschäftsführer Adolf Hamburger (bis 1915) als OHG weitergeführt wurde. S.s Bruder, der Genremaler und Radierer Viktor S. (geb. Wien, 17. 5. 1843; gest. ebd., 8. 11. 1905) besuchte nach der Unterrealschule 1867–71 die Wr. Akad. der bildenden Künste, danach stud. er in München, wo er als Mitgl. der Münchener Künstlergenossenschaft an der Begründung von deren hist. Smlg. mitwirkte. Zu seinen Hauptwerken zählen Illustrationen für das sog. Kronprinzenwerk „Die österreichischungarische Monarchie in Wort und Bild“.

W.: Viktor S.: Bauernhof; Taschenfeitelhammer in Trattenbach; etc.
L.: NFP, NWT, 30. 8. 1904; Freie Künste 1, 1879, S. 88, 26, 1904, S. 306; A. Mayer, Wiens Buchdrucker – Geschichte 1482–1882, 2, 1887, S. 330; Österr.-ung. Buchdrucker-Ztg. 32, 1904, S. 97, 455f.; A. Durstmüller – N. Frank, 500 Jahre Druck in Österr. 2, 1985, S. 215; MA 61, WStLA, beide Wien. – Viktor S.: NFP, 9. 11. 1905; Fuchs, 19. Jh.; Thieme–Becker; Kunstchronik, NF 17, 1905/06, S. 105; Länder und Menschen vor der Jh.wende, red. H. Pauer (= Biblos-Schriften 52), Wien 1969, S. 72 (Kat.); Archiv der Akad. der bildenden Künste, MA 61, WStLA, alle Wien.
(Ch. Gruber – G. Wasshuber)  
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 12 (Lfg. 56, 2002), S. 238
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