Siegl, Carl Ignaz (1802-1889), Industrieller und Politiker

Siegl Carl Ignaz, Industrieller und Politiker. Geb. Dt. Liebau, Mähren (Libina, Tschechien), 25. 1. 1802; gest. Mähr. Schönberg, Mähren (Šumperk, Tschechien), 28. 9. 1889. Sohn des Färbers Johann, Vater von Eduard und Robert d. Ä. (beide s. d.) sowie Richard (s. u. Robert d. Ä.), Großvater von Emil S. (s. d.). S. erlernte bei seinem Vater das Färberhandwerk, übersiedelte dann nach Mähr. Schönberg und war vorerst gem. mit seinen Brüdern Johann und Albert S. öff. Gesellschafter der Fa. Joh. Siegl & Co. 1852 gründete er gem. mit seinen Söhnen Robert und Richard die Leinwandfabrik Carl Siegl sen. und legte damit den Grundstein zu einem prosperierenden Unternehmen, das bis 1945 im Besitz der Familie S. bleiben sollte. Anfangs beschränkte sich die Fa. auf die Erzeugung von glatten Leinen, bald jedoch wurde die Produktion auf Damastgewebe ausgeweitet. Die Damastgarnituren wurden vielfach ins Ausland, bes. in die USA und Italien, exportiert und errangen Preise auf zahlreichen Ausst. 1860 wurde eine eigene Bleiche und Appreturanstalt angegliedert, 1889 eine mechan. Weberei errichtet. Daneben war S. Mitbegründer der 1. Mechan. Flachsspinnerei in Mähr. Schönberg sowie jener in Wiesenberg (Loučná nad Desnou). Er beteiligte sich aber auch am öff. Leben seiner Wahlheimatstadt, u. a. 1848 als Hptm. der Nationalgarde, 1850–70 als Mitgl. der Gmd.vertretung und darüber hinaus als Mitgl. und Mäzen vieler Ver. 1877 wurde er mit dem Ritterkreuz des Franz-Joseph-Ordens ausgez.

L.: Mähr.-schles. Correspondent (Abendausg.), 1., Grenzbote des nordwestl. Mährens, 5. 10. 1889; Großind. Österr. I, Bd. 4, S. 340f.; H. Heller, Mährens Männer der Gegenwart 4, 1890; K. Umlauff – F. Tersch, Chronik der Stadt Mähr. Schönberg 1–2, 1901, passim; M. Dohnal, Průmyslová revoluce a počátky dělnického hnutí v severomoravské plátenické oblasti, 1973, S. 43, 71f.; A. Daumann, in: Nordmähr. Heimatbuch, 1983, S. 60; Biografický slovník Slezsky a severní Moravy 11, 1998; Semský archiv Opava, Außenstelle Olomouc, Tschechien.
(F. Spurný)  
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 12 (Lfg. 56, 2002), S. 239f.
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