Siegl, Emil (1860-1939), Industrieller

Siegl Emil, Industrieller. Geb. Mähr. Schönberg, Mähren (Šumperk, Tschechien), 30. 12. 1860; gest. ebd., 17. 10. 1939. Enkel von Carl Ignaz, Sohn von Robert d. Ä. (beide s. d.), Vater von Robert S. d. J. (s. u.). Nach Besuch des dt. Gymn. in Olmütz (Olomouc) und der Handelsakad. in Wien verbrachte S. drei Jahre in England, Frankreich und Italien, wo er wichtige Geschäftsbeziehungen anknüpfen konnte. 1885 trat er als öff. Gesellschafter in die Fa. Carl Siegl sen. ein und machte sich gem. mit seinem Onkel Richard S. (s. u. Robert S. d. Ä.) bes. um die Errichtung der mechan. Weberei 1889 verdient. 1908–12 kam es unter seiner Leitung zur weiteren Vergrößerung des Unternehmens, das damals bereits 1.300 Angestellte und 360 Hausweber unter Vertrag hatte. Die Fa. betrieb eigene Niederlagen und Geschäfte in Wien, New York und Mailand und stattete u. a. die Schiffe der Hapag-Lloyd Ges. aus. S., der auch als Juror bei Weltausst. fungierte, war – 1906 KR – bis 1918 Obmann der Sektion Mähr. Schönberg des Bundes der Industriellen Österr., danach Stellv. Vors. des Allg. dt. Textilverbandes in der ČSR, daneben engagierte er sich in der Zuckerbranche als Präs. und Verwaltungsrat der Hotzenplotzer Zuckerfabrik AG. 1894–1923 war er Mitgl. der Gmd.vertretung von Mähr. Schönberg, 1906–18 Mitgl. des Stadtrats, ab 1898 Ausschußmitgl. und 1902–18 Vors. der Mähr. Schönberger Sektion des Dt. Schulver., danach des Dt. Kulturverbandes. Sein Sohn, Robert S. d. J. (geb. Mähr. Schönberg, 16. 11. 1890; gest. ebd., 17. 2. 1940), stud. nach Absolv. des dt. Gymn. in seiner Heimatstadt 1909–13 an der ETH Zürich Maschinenbau; 1913 Ing.diplom. Ab 1918 öff. Ges. der Fa. Carl Siegl sen., bekleidete er darüber hinaus leitende Funktionen im Wirtschaftsleben der ČSR, u. a. war er Präsidiumsmitgl. des Dt. Industriellenverbandes und als Vors. der Leinwandgruppe des Dt. Textilverbandes in Liberec/Reichenberg, Vizepräs. der HGK in Opava/Troppau sowie Verwaltungsrat von Bank-, Versicherungs- und Ind.unternehmungen, wie Böhm. Union-Bank, Lundenburger Zuckerraffinerie AG etc. Nach dem Münchner Abkommen 1938 fungierte er als Beirat der Leinenfachgruppe in Berlin, der internationalen HK Berlin und der Wirtschaftskammer Sudeten in Reichenberg. Ab 1909 Mitgl. der Dt. Sozialpartei Nordmährens und Schlesiens, ab 1919 der Dt. Nationalpartei (1929–33 Mitgl. der Bez.leitung Mähr. Schönberg), war er ab 1933 Mitgl. der Sudetendt. Heimatfront und 1935 Mitgl. der Bez.leitung der Sudetendt. Partei (SdP) von Mähr. Schönberg. 1938 wurde er zum Obmann der Kreisgruppe der SdP für Ind. und Wirtschaft ernannt, im selben Jahr agierte er innerhalb der staatsfeindl. Organisation Freikorps und war ab Oktober 1938 Wirtschaftsberater der Kreisleitung der NSDAP, Angehöriger der SA und Ratsherr der Stadt Mähr. Schönberg.

L.: Nordmähr. Grenzbote, 19. 10. 1939; Compass 69, 1936 (Personenbd.); Mitt. des Dt. Hauptverbandes der Ind., 1936, S. 6f.; A. Daumann, in: Nordmähr. Heimatbuch, 1983, S. 61f. (m. B.); Biografický slovník slezsky a severní moravy 11, 1998. – Robert S. d. J.: Nordmähr. Grenzbote, 17. 2. 1940; Compass 69, 1936, 72, 1939 (jeweils Personenbd.); M. Dohnal u. a., Pátá kolonana serverní moravě, 1969, s. Reg.; A. Daumann, in: Nordmähr. Heimatbuch, 1983, S. 61f. (m. B.); Biografický slovník slezsky a severní moravy 11, 1998; Archiv der ETH Zürich, Schweiz.
(F. Spurný)  
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 12 (Lfg. 56, 2002), S. 240f.
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