Siegler von Eberswald, Ida; geb. Ida Margaretha Weißbeck; Künstlername Ida Orloff (1889-1945), Schauspielerin

Siegler von Eberswald Ida, geb. Ida Margaretha Weißbeck, Künstlername Ida Orloff, Schauspielerin. Geb. St. Petersburg (Sankt-Peterburg, Rußland), 16. 2. 1889; gest. Tullnerbach (NÖ), 9. 4. 1945 (Selbstmord); evang. AC. – Tochter eines hess. Brauereibesitzers. Verehel. mit Karl Satter, in zweiter Ehe mit Franz Leppmann. Ihre Mutter heiratete in zweiter Ehe den k. u. k. Off. Georg Siegler, Edlen von Eberswald. Nach dem Besuch der Wr. Theaterschule Otto spielte S. v. E. 1905 eine kleine Rolle in einer privaten Auff. von Frank Wedekinds „Die Büchse der Pandora“, bei der u. a. Adele Sandrock, Karl Kraus (s. d.) und Wedekind selbst mitwirkten. Von Otto Brahm, dem Dir. des Berliner Lessing-Theaters, entdeckt und engag., übersiedelte sie noch im selben Jahr nach Berlin, wo sie schon mit ihren ersten Rollen, Hannele (Gerhart Hauptmann, „Hanneles Himmelfahrt“) und Hedwig (Henrik Ibsen, „Die Wildente“), Berühmtheit erlangte und Hauptmann näher kennenlernte. Weit über die Dauer ihrer Beziehung hinaus sollte sie sein Werk beeinflussen: Neben den für sie verf. Dramen „Und Pippa tanzt!“ und „Kaiser Karls Geisel“ trägt eine Reihe weiterer Bühnen- und Romanfiguren (Wanda, Melitta, Hamida, Siri etc.) ihre Züge. Daneben verkörperte sie die Hauptmann-Figuren Ottegebe („Der arme Heinrich“), Ludowike („Die Jungfern vom Bischofsberg“) und Rautendelein („Die versunkene Glocke“). Ab 1910 am Wr. Burgtheater, konnte sie jedoch an ihre frühen Erfolge nicht mehr anschließen. Zu einem Eklat führte ihr Auftreten in der Urauff. von Franz Theodor Csokors „Feuer“ im Varieté Ronacher 1912. 1913 übernahm sie ohne Rücksprache mit der Dion. die Hauptrolle in der Hauptmann-Verfilmung „Atlantis“, was schließl. zur Vertragslösung führte. Nach dem 1. Weltkrieg, den S., unterbrochen durch gelegentl. Bühnenauftritte in Dtld., in Dänemark und Schweden verbrachte, war sie mit lyr. und dramat. Lesungen für den Rundfunk tätig, übers. aus dem Russ. und gab Schauspielunterricht. 1933 emigrierte sie mit ihrem zweiten Mann, der jüd. Herkunft war, nach Italien, später nach England. 1939 nach Dtld. zurückgekehrt, feierte sie 1941 am Berliner Rose-Theater als Frau Fielitz in „Der rote Hahn“ noch einmal Erfolge als Hauptmann-Darstellerin. Nach schwerer Krankheit lebte sie zuletzt in Tullnerbach, wo sie, um Mißhandlungen durch Soldaten der Roten Armee zu entgehen, Selbstmord beging.

L. (meist unter Orloff): Neues Wr. Journal, 27. 8., 2., 5. 9. 1913; Die Presse, 21. 4. 1962, 17./18. 6. 1967 (beide m. B.); Die Welt, 7., 12. 3. 1966; Alth, Burgtheater, s. Reg.bd., S. 285; F. W. J. Heuser, G. Hauptmann, 1961, S. 100ff.; Hugo Thimig erzählt ... Briefe und Tagebuchnotizen, ausgewählt ... von F. Hadamowsky, 1962, S. 196, 200; H. Satter, Weder Engel noch Teufel. Ida Orloff, 1967; E. Hilscher, G. Hauptmann, 1969, s. Reg.; G. Hauptmann und Ida Orloff. Dokumentation ..., 1969; S. Hoefert, Internationale Bibliographie zum Werk G. Hauptmanns 1–2, 1986–89; G. Hauptmann. Tagebücher 1906–13, ed. P. Sprengel, 1994; W. Leppmann, G. Hauptmann, 1995, s. Reg.; E. Bakos, Wilde Wienerinnen, 1999, S. 11ff.; D. Grieser, Im Dämmerlicht, 1999, S. 165ff.; HHStA, Wien.
(E. Offenthaler)  
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 12 (Lfg. 57, 2004), S. 244f.
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