Siegmund, Adolf (1831-1916), Politiker und Bauunternehmer

Siegmund Adolf, Politiker und Bauunternehmer. Geb. Teplitz, Böhmen (Teplice, Tschechien), 27. 11. 1831; gest. ebd., 8. 9. 1916. – Aus alteingesessener Teplitzer Familie. Angebl. Teilnehmer der Revolution 1848 und deshalb länger inhaftiert, absolv. S. die TH Prag und war danach Ing. bei der Landesbaudion. in Ofen (Budapest), beim Wr. Stadtbauamt und bei der Staatseisenbahnges., die ihn zu Stud.reisen in den Orient sandte. Ab Beginn der 60er Jahre war S. als Ziviling. in Teplitz tätig und als solcher u. a. federführend beim Bau des Kaiserbades und des Stadthauses. Großes Ansehen erwarb er sich 1879/80, als es seinem Unternehmen gelang, die nahegelegene Braunkohlengrube „Döllinger-Schacht“ zu verdämmen, wodurch sowohl die Teplitzer Heilquellen als auch die Braunkohlenförderung erhalten blieben. Schon ab den 60er Jahren im Gmd.rat, wurde er bald nach diesem Erfolg Stadtrat, Obmann der Bez.vertretung, Obmann mehrerer gemeinnütziger Ver. sowie Anfang der 90er Jahre stellv., 1896–99 Bgm. von Teplitz. Sein kommunalpolit. Programm basierte auf der Harmonisierung von Fremdenverkehr, Gewerbe und Ind. 1878–1901 böhm. LT-Abg., 1885–97 sowie 1901–07 RR-Abg. Als typ. Vertreter der „späten“ böhm. Dt.liberalen gehörte er dort zunächst dem Dt. Klub, dann der Vereinigten dt. Linken und ab 1896 der Dt. Fortschrittspartei an. Trotz eher gemäßigter polit. Einstellung schreckte S. jedoch nicht vor schärfster nationaler Agitation zurück, so z. B. als Vors. des dt. Städtetags in Teplitz, 1896, oder während der „Badenikrise“ im Folgejahr. Nach Krawallen dt.radikaler Jugendlicher in Teplitz, 1899, resignierte S. als Bgm., verblieb aber noch einige Zeit in der Gmd.vertretung, ehe er sich 1907 endgültig aus der Politik zurückzog.

W.: Dt. Renaissance. Mahnruf eines Dt.-Oesterreichers, 1889; Kraft- und Arbeitsmaschinen für das Kleingewerbe, 1889; etc.
L.: Bohemia, Dt. Volkswacht (Teplitz), Freiheit – Sozialdemokrat. Tagbl. (Teplitz), NFP, Teplitzer Ztg., Teplitz-Schönauer Anzeiger, 9., Dt. Volkswacht, 13. 9. 1916; Hahn, 1885, 1891; Kolmer 4, 1891; Lex. böhm. Länder; Lišková; M. Navrátil, Almanach sněmu království Českého (1895–1901), 1896 (m. B.); E. Rutkowski, Briefe und Dokumente zur Geschichte der österr.-ung. Monarchie 1–2 (= Veröff. des Collegium Carolinum 51/1–2), 1983– 91, s. Reg.; L. Höbelt, Kornblume und Kaiseradler, 1993, s. Reg.; Mitt. Kristina Kaiserová, Ústí nad Labem, Tschechien.
(H. P. Hye)  
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 12 (Lfg. 57, 2004), S. 245
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