Sikorski, Władysław Eugeniusz (1881-1943), Politiker und General

Sikorski Władysław Eugeniusz, Politiker und General. Geb. Tuszów Narodowy, Galizien (Polen), 20. 5. 1881; gest. bei Gibraltar (Großbritannien), 4. 7. 1943 (Flugzeugabsturz). – Sohn eines Lehrers. Schon während seiner Schul- und Stud.zeit am Lehrerseminar in Rzeszów (1893–99) und am Gymn. in Lemberg (1899–1902, Matura) sowie als Student der dortigen TH (1902–08, Ing.) war S. aktiv in den damaligen national-patriot. Jugendorganisationen Volksschulver. und Verband der poln. Jugend engagiert, welche unter starkem Einfluß der Nationaldemokraten standen. Bei seiner Abkehr von der Nationaldemokratie mochte die Absolv. des Militärdienstes in St. Pölten (1905 Lt. der Res.) von Bedeutung gewesen sein, v. a. aber die Lage in Galizien nach der Russ. Revolution 1905. Zunächst als Fachmann für militär. Belange in verschiedenen der Poln. Sozialist. Partei nahestehenden Organisationen tätig, baute er ab 1908 in enger Kooperation mit Józef Piłsudski die paramilitär. Bewegung in Galizien auf, war 1908 Mitbegründer des Verbands für den aktiven Kampf und 1910 Vors. des Schützenverbands. Diese semi-legale Tätigkeit verband S. mit einer dezidiert pro-österr. bzw. anti-russ. Haltung. Ab 1909 in der galiz. Statthalterei (Abt. für Wasserbau) beschäftigt, war er 1910 Mitbegründer der liberal-progressiven Poln. Fortschrittspartei, 1912 der Vorläufigen Komm. der Konföderierten Unabhängigkeitsparteien und 1914 des Obersten Nationalkomitees, in dem die pro-österr. polit. Parteien zusammengeschlossen waren. Hier wie dort war S. für militär. Angelegenheiten zuständig. 1918 noch für kurze Zeit interniert, wurde er nach dem Ende der Monarchie Armeeführer im poln.-ukrain. und poln.- sowjet. Konflikt. 1921–22 war S. Chef des poln. Gen.stabs, 1923 Ministerpräs., 1924–25 Kriegsminister; 1929 zog er sich aus der Politik zurück. Seit 1929 im frz., dann engl. Exil, wurde er Oberbefehlshaber der poln. Truppen sowie Vors. der Exilregierung und führte Verhh. mit Stalin. Die sowjet.-poln. Beziehungen wurden aber nach der Aufdeckung des Massakers von Katyn’, 1943, abgebrochen, kurz darauf verunglückte S. bei der Rückkehr von einer Inspektionsreise in Afrika. Sein Tod ist bis heute Anlaß von Spekulationen.

L.: PSB (m. W. und L.); W. Korpalska, W. E. S.. Biografia polityczna, 1981; R. Wapiński, W. S., 3. Aufl. 1982; Guide to the Archives of the Polish Inst. and Sikorski Mus., ed. W. Milewski u. a., 1985, S. 91ff.; Kto był kim w Drugiej Rzeczypospolitej, red. J. M. Majchrowski u. a., 1994, S. 66 (m. B.); Enz. des Holocaust 3, ed. E. Jäckel u. a., 1995; L. J. Waszak, Agreement in Principle (= Stud. in Modern European History 20), 1996, s. Reg., bes. S. 8ff. (m. B.).
(H. Binder)  
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 12 (Lfg. 57, 2004), S. 257f.
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