Šíl, Josef (1850-1933), Politiker und Arzt

Šíl Josef, Politiker und Arzt. Geb. Königinhof an der Elbe, Böhmen (Dvůr Králové nad Labem, Tschechien), 5. 10. 1850; gest. Kolin, Böhmen (Kolín, Tschechien), 28. 2. 1933. – Sohn eines Handwerkers. Nach Besuch des Gymn. in Königgrätz (Hradec Králové) stud. Š. an der Univ. Prag Med., 1875 Dr. med. Ende der 1870er Jahre ließ er sich als prakt. Arzt in Kolin nieder und war auch Chefarzt des dortigen Bez.krankenhauses. Polit. gehörte Š., der 1889–1901 LT- und 1891–96 RR-Abg. war, zum radikalen Doktorenflügel der jungtschech. Partei. Seine LT-Rede vom November 1889, in der er die Anbringung einer Gedenkplakette für Jan Hus an der Fassade des böhm. Nationalmus. in Prag forderte und den Hussitismus gegenüber den Alttschechen und bes. gegenüber Karl (IV.) Fürst zu Schwarzenberg (s. d.) verteidigte, machte ihn einer breiteren Öffentlichkeit bekannt. In den folgenden Jahren neigte Š. zum tschech. staatsrechtl. Radikalismus, ab 1892 unterstützte er die Z. „Neodvislost“. Als in den 90er Jahren anstelle des allg. Wahlrechts nur eine beschränkte Wahlreform verwirklicht wurde, legte er 1896 sein RR-Mandat nieder und trat aus der jungtschech. Partei aus. Noch bis ins hohe Lebensalter war Š. auch in verschiedenen Funktionen in der Sokolbewegung tätig.

L.: Samostatnost, 2. 3. 1933; Hahn, 1891; Hanzalová; Lex. böhm. Länder; Lišková; Otto, Erg.bd.; M. Navrátil, Almanach snĕmu království Českého 1895–1901, 1896 (m. B.); ders., Almanach Českých lékařů, 1913 (m. B.); B.M. Garver, The Young Czech Party 1874–1901 and the emergence of a multi-party system, 1978, S. 133ff.;M. Borovička, in: Husitský Tábor 9, 1987, S. 249ff.;O.Urban, Die tschech. Ges. 1848–1918, 1–2 (= Anton-Gindely-R. zur Geschichte der Donaumonarchie und Mitteleuropas 2), 1994, s. Reg.
(J. Kořalka)  
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 12 (Lfg. 57, 2004), S. 258
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