Silva-Tarouca (Sylva-Tarouca), Ernst (Arnošt) Emanuel Gf. von (1860-1936), Dendrologe, Politiker und Funktionär

Silva-Tarouca (Sylva-Tarouca) Ernst (Arnošt) Emanuel Gf. von, Dendrologe, Politiker und Funktionär. Geb. Čech, Mähren (Čechy pod Kosířem, Tschechien), 3. 1. 1860; gest. Schloß Schwaigern, Dt. Reich (Dtld.), 15. 8. 1936; röm.-kath. – Sohn des Kämmerers und Rtm. August Alexander Gf. v. S.-T. (1818–1872) aus dessen erster Ehe mit Isabella, geb. Gfn. zu Stolberg-Stolberg (1824–1864), Bruder von Franz Josef Gf. v. S.-T. (s. u.), ab 1885 verehel. mit Maria, geb. Gfn. v. Nostitz-Rieneck (1863–1934); nach dem frühen Tod des Vaters wurde Ekbert Gf. Belcredi (s. d.) S.s Vormund. S. wurde in Kalksburg erzogen und stud. 1879–81 an der Univ. Wien Jus, um dann kurze Zeit in der Statthalterei in Prag tätig zu sein. Nach seiner Heirat widmete er sich der Gestaltung von Schloß und Schloßpark Pruhonitz (Průhonice), dem Erbe seiner Gattin. Ersteres ließ er im Stil der sog. tschech. Renaissance umbauen, letzteren zu einem modellhaften Landschaftspark um- und ausgestalten. Obwohl Autodidakt, war S. in Österr. auf dem Gebiet der Dendrol., bes. im Zusammenwirken mit (Karl) Camillo Schneider (s. d.), fachpublizist. und 1908 als Mitbegründer und erster Präs. der Dendrolog. Ges. für Österr.-Ungarn führend tätig. S. engagierte sich aber auch im kath. Ver.wesen, war ab 1893 als Gen.- koär. für die Organisierung der allg. österr. Katholikentage zuständig und 1905–10 Präs. der Zentralstelle aller nichtpolit. Ver. Österr., einer Vorläuferin der späteren Kath. Aktion. 1915 kehrte er als Vizepräs. des Kath. Volksbunds kurzzeitig in eine Spitzenfunktion des kath. Laienwesens zurück. Polit. dem konservativen Großgrundbesitz zugehörig, war S. 1891–1907 RR-Abg., 1892–1913 böhm. LT-Abg. und 1907–18 HH-Mitgl. 1888 Kämmerer, 1902 Geh. Rat, leitete er auf Wunsch K. Karls (s.d.), als dessen Vertrauter er galt, ab August 1917 bis zum Ende der Monarchie das Ackerbaumin. und war 1918 sogar für das Amt des Ministerpräs. im Gespräch. Nach dem Krieg zog er sich auf seine Güter zurück, gab gem. mit Schneider 1922–23 eine überarbeitete Ausg. ihrer dreibändigen „Kulturhandbücher für Gartenfreunde“ heraus und stand ab 1922 auch der dendrolog. Ges. in der Tschechoslowakei vor. Um sein durch die Kriegsfolgen gefährdetes Lebenswerk, den Park von Pruhonitz, zu sichern, verkaufte S. 1927 Park und Besitz an den tschechoslowak. Staat, der eine Versuchsstation darauf errichtete, aus der das heute nach S. benannte Inst. für Landschafts- und Gartengestaltung hervorging. S.s Bruder, Franz Josef Gf. v. S.-T. (geb. Čech, 13. 3. 1858; gest. Brno, Tschechoslowakei/Tschechien, 4. 8. 1936), ab 1882 verehel. mit Gabriele Prinzessin v. Schwarzenberg, Inhaber des Fideikomisses, 1888 Kämmerer, 1911 Geh. Rat, war 1892–1918 HH-Mitgl. Wie sein Bruder schriftsteller. tätig, verf. er u. a. eine Geschichte seines Hauses.

W.: Kein Heger, kein Jäger! Ein Hdb. der Wildhege …, 1899, 2. Aufl. 1927; Glückl. Tage. Jagdgeschichten aus fünf Jahrzehnten, 1923, (4. Aufl.) Wehrmachtsausg. 1944; etc. – Ed.: Mitth. der Dendrolog. Ges. zur Förderung der Gehölzkde. und Gartenkunst in Österr.-Ungarn 1, 1911–12; F. v. Raesfeld, Das dt. Waidwerk, 4. Aufl. 1931; etc. – Franz Josef Gf. v. S.-T.: Der Park, 1894; Die Silva’s in Oesterr., 1899 (m. B.); etc.
L.: Czedik 3–4 (fälschl. Franz S.-T.), s. Reg.; Habsburgermonarchie 4, s. Reg.; Hanzalová; Lex. böhm. Länder; Lišková; Otto, Erg.bd; A. Celerin, Die österr. Katholikentage des 19. Jh., phil. Diss. Wien, 1955, passim; P. Hofkirchner, Die österr. Katholikentage des 20. Jh. (bis 1933), phil. Diss. Wien, 1966, passim; 100 Jahre Landwirtschaftsmin., 1967, S. 87f.; J. Polišenský, in: Die Auflösung des Habsburgerreiches, ed. R. G. Plaschka – K. Mack (= Schriftenr. des österr. Ost- und Südosteuropainst. 3), 1970, S. 131ff.; L. Helebrant, in: Stadt und Grün 45, 1996, S. 828ff. (m. B. und L.); C. Vierle, C. Schneider ... (= Materialien zur Geschichte der Gartenkunst 4), 1998; E. Lebensaft – Ch. Mentschl, Feudalherren, Bauern, Funktionäre (= Stud. und Forschungen aus dem Nö. Inst. für Landeskde. 30), 2003, S. 127ff.; UA, Wien. – Franz Josef Gf. v. S.-T.: Heller, Bd. 1, 2. Aufl., Bd. 4; Lex. böhm. Länder.
(E. Lebensaft – Ch. Mentschl)  
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 12 (Lfg. 57, 2004), S. 270f.
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