Simon, Josef von (1854-1926), Kunstsammler und Finanzmann

Simon Josef von, Kunstsammler und Finanzmann. Geb. Hořitz, Böhmen (Hořice, Tschechien), 23. 2. 1854; gest. Wien, 29. 12. 1926; mos. – Sohn des Salomon S. (geb. Hořitz, 1816) und der Sophie S., geb. Mandelbaum (geb. ebd., 1830). S. betrieb ab etwa 1880 in Prag ein Holzfachgeschäft, das auf den Export von Faßdauben spezialisiert war. Zudem engag. er sich als künstler. Mitarbeiter beim Dt. Landestheater. 1886 heiratete er L(o)uise Deutsch (geb. Wien, 31. 8. 1860; gest. Lugano, Schweiz, 15. 7. 1946), eine jüngere Schwester von Adele Strauß, der dritten Ehefrau von Johann Strauß (Sohn). Er übersiedelte 1893 mit seiner Familie nach Wien und leitete von hier seine Prager Fa. weiter. 1897 kaufte S.gem. mit Johann Strauß die Villa Erdödy in Ischl (Bad Ischl) und begann nach dessen Tod 1899 Erinnerungsgegenstände an die Familie Strauß zu sammeln. 1900 erwarb er mit Leon Doret und Emil v. Kubinzky das Theater a. d. Wien und blieb bis 1924 Mitbesitzer. 1901 wurde auf seine Anregung in Wien der Musikverlag „Universal-Edition A. G.“ (UE) gegründet, dessen Verwaltungsrat er nach der konstituierenden Generalversmlg. neben den Verlegern Bernhard Herzmansky (s. d.), Adolf Robitschek und Josef Weinberger angehörte (später Präs.). Zudem wirkte er im Verwaltungsrat der „Actiengesellschaft der Wiener Localbahnen“, als Vizepräs. des Verwaltungsrats der „Österreichischen Eisenbahn-Verkehrs-Anstalt“ sowie als Präs., techn. und kommerzieller Dir. von deren Tochterges. „Gesellschaft für elektrische Industrie“ (Elin). S.hatte auch Anteil an der Gründung der „Ungarischen Eisenbahn-Verkehrs-Actiengesellschaft“. 1917 wurde er (mit dem Ehrenwort „Edler“) nob. Bekannt wurde S. v. a. durch seine große Kunst- und Strauß-Smlg., die zu einem reichhaltigen Archiv der Alt-Wiener Tanzmusik wurde.

L.: Illustrirtes Wr. Extrabl., 14. 10. 1894; FB, 10. 4. 1901; NFP, 12. 4. 1901 (A.), 30. 12. 1926; WZ, 31. 12. 1926; Hdb. jüd. AutorInnen 3, 2002; Nagl–Zeidler–Castle 4, s. Reg.; Renner; G. Löwe, Abschiedsgruß dem Witze-Intendanten des Prager Theaters, Herrn J. S. und seiner Frau Gemahlin, anläßl. ihrer Übersiedlung von Prag nach Wien …, 1893; Die Fackel, ed. K. Kraus, Nr. 41, 1900, S. 28f., 46, 1900, S. 6ff., 87, 1901, S. 30, 154, 1904, S. 8ff., 162, 1904, S. 31; A. Bauer, 150 Jahre Theater a. d. Wien, 1952, s. Reg.; H. Jäger-Sunstenau, J. Strauß (= Wr. Schriften 22), 1965, S. 67; A. Fessen, Der österr. Wirtschaftsadel von 1909–1918, phil. Diss. Wien, 1975, S. 158f.; 75 Jahre UE (1901–1976). Kat. zur Ausst. der WStLB …, ed. E. Hilmar, 1976, S. 9; E. Hilmar, in: Österr. Musikz. 31, 1976, S. 661ff.; M. G. Hall,Österr. Verlagsgeschichte 1918–1938, 1, 1985, S. 53, 60; J. Strauß (Sohn). Leben und Werk in Briefen und Dokumenten 3–9, 1990–2002, s. Reg.; M. Prawy, J. Strauß, 1991, s. Reg.; Ch. Hailey, in: Österr. Musikz. 56, 2001, S. 8; S. Lillie, Was einmal war. Hdb. der enteigneten Kunstsmlgg. Wiens, 2001, s. Reg.; Th. Aigner, in: Österr. Musikz. 59, 2004, S. 27ff.; AVA, Wien; Splitternachlaß, Hss.Smlg, WStLB, Wien.
(A. Brandtner)  
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 12 (Lfg. 57, 2004), S. 279f.
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