Simonides, Alois (1871-1927), Politiker

Simonides Alois, Politiker. Geb. Trebitsch, Böhmen (Třebíč, Tschechien), 4. 5. 1871; gest. Praha, Tschechoslowakei (Tschechien), 14. 11. 1927. – S., der aus einer wohlhabenden Familie stammte, mußte das Gymn. abbrechen und begann als Vergolder und Lackierer zu arbeiten. 1886 ging er nach Prag, wo er Mitgl. des Sokols wurde und dem Sängerver. Lukes beitrat. Er schloß sich der Bewegung der nationalen Arbeiter an, die die „internationale“ Sozialdemokratie ablehnten, und nahm 1893 an den nationalen Demonstrationen teil. 1897 gehörte er zu den Parteigründern der National-Sozialen Partei, in der er Geschäftsführer, zuständig für Organisation und Agitation, wurde. Daneben red. er die Parteiztg. „Český dělník“ und bemühte sich bes. um die Errichtung einer eigenen Parteidruckerei. Seine Versuche, die Krankenkasse dem Einfluß der Sozialdemokraten zu entziehen, blieben allerdings ohne Erfolg, weshalb er 1903 die Allg. Krankenkasse errichtete, in der er den Posten des Dir. einnahm. 1911 wurde S. in die Prager Stadtverordnetenversmlg. gewählt, in der er sich v. a. für kulturelle und humanitäre Angelegenheiten engagierte. Während des 1. Weltkriegs widmete sich S. als Leiter der städt. Approvisionierungsanstalten den Versorgungsfragen. Nach dem Umsturz im Oktober 1918 wurde er Bgm. von Prag-Innere Stadt.

L.: České slovo, 15. (m. B.), Národní listy, 16. 11. 1927; 25 let práce Československé strany socialistické 1897–1922, 1922; In memoriam A. S., 1929; O. Urban, Die tschech. Ges. 1848–1918, 1–2 (= Anton-Gindely-R. zur Geschichte der Donaumonarchie und Mitteleuropas 2), 1994, s. Reg.
(J. Pokorný)  
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 12 (Lfg. 57, 2004), S. 283
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