Simony (Szimonj), Friedrich (1813-1896), Geograph, Geologe und Alpinist

Simony (Szimonj) Friedrich, Geograph, Geologe und Alpinist. Geb. Hrochowteinitz, Böhmen (Hrochův Týnec, Tschechien), 30. 11. 1813; gest. St. Gallen (Stmk.), 20. 7. 1896; röm.-kath. – Unehel. Sohn eines vermutl. ung. Armeearztes, Vater von Oskar S. (s. d.). Nach Absolv. einer pharmazeut. Ausbildung (Lehre und Stud.) stud. S. ab 1827 Naturwiss. an der Univ. Wien; Dr. phil. 1851. Bereits 1840 begann er mit der geomorpholog. und glaziolog. Erforschung des Dachsteinplateaus, die zu seinem Lebenswerk wurde (1843 1. Übernachtung am Gipfel). 1844 führte er als einer der Wegbereiter der Limnologie Lotungen im Hallstätter See durch, deren Ergebnisse er im „Atlas der österreichischen Alpenseen“ (2 Bde., 1895–96, ed. Penck und Eduard Richter, beide s. d.) dokumentierte. Seine als Speläologe und Geologe – ab 1849 Chefgeologe der Geolog. Reichsanstalt – angelegten umfangreichen Gesteinssmlgg. gelangten ins Naturhist. Mus. Klagenfurt, ins Hallstätter Heimatmus. und in die Geolog. Reichsanstalt. 1851 o. Prof. für die gesamte Geographie an der Univ. Wien, erfolgte mit seiner Berufung die Errichtung der Lehrkanzel und die Begründung des Inst. für Geographie. 1886 HR und i. R. Als ein Pionier der modernen Didaktik fertigte S. viele Lehrmittel selbst an und wurde Mitbegründer der Geograph. Ges. in Wien (1856) und des Österr. Alpenver. (1862). Seit der Gründung der Z. „Berichte über die Mittheilungen von Freunden der Naturwissenschaften in Wien“ durch Haidinger (s. d.), 1846, war S. deren Mitarb. Von großem wiss. Wert ist u. a. seine Arbeit zum Nachweis der Eiszeit östl. von Tirol. 1851 beschrieb er die Ähnlichkeit von Sedimenten mit dem Moränenschutt der Dachsteingletscher, geraume Zeit bevor der Beweis der Inlandsvereisung 1875 durch Otto Torell gelang. S.s Œuvre umfaßt neben seinem Hauptwerk „Das Dachsteingebiet“ (3 Bde., 1889–95) mehr als 1.000 Skizzen, Profile, Karten, Landschaftsbilder und Photographien, die von ihm als wichtiges wiss. Hilfsmittel forciert wurden, darunter: „Panorama des Schafbergs“ (1858), „Physiognomischer Atlas der österreichischen Alpen“ (6 Lithographien, 1863), ein Aquarell „Gletscherphänomene“ (2,5m x 1,6m), prämiert auf zwei Weltausst., ein geolog. Alpenprofil (1850, 50 Teile, 6,5m), „Naturstudien eines Autodidakten aus 50 Jahren“ (34 Zeichnungen und Aquarelle, 1840–90). Sonstige Arbeiten befinden sich u. a. in den Wr. Smlgg. der Österr. Nationalbibl., des Naturhist. Mus., der Geolog. Bundesanstalt und des Inst. für Geographie.

W.: s. u. Böhm, Edler v. Böhmersheim; Kainrath, 1993; Kretschmer; Penck; Wurzbach.
L.: Inauguration Univ. Wien 1896/97, 1896, S. 12ff.; Wurzbach (m. W.); A. Penck, F. S. Leben und Wirken eines Alpenforschers … (= Geograph. Abhh. 6, 3 = Arbeiten des Geograph. Inst. der Univ. Wien, 6), 1898 (m. W.); A. Böhm, Edler v. Böhmersheim, Zur Biographie F. S., 1899; H. Spreitzer, in: Österr. Naturforscher, Ärzte und Techniker, ed. F. Knoll, 1957, S. 18ff. (m. B.); W. Obiltschnig, Beitrr. zur Geschichte des Lehrfaches Geographie an der Univ. Wien, Hausarbeit, Inst. für Geschichte, Univ. Wien, 1981, S. 8ff.; M. Klemun, in: Carinthia II, 182 (102), 1992, S. 375ff.; dies., in: Carinthia II, 183 (103), 1993, S. 7ff.; W. R. Kainrath, F. S. und seine Beitrr. zur Erforschung der Alpen, phil. DA Wien, 1993 (m. W.); R. Lehr, in: Ein Leben für den Dachstein. F. S. –zum 100. Todestag (= Stapfia 43, NF 103 = Kat. des OÖ Landesmus.), Linz 1996 (Kat.), S. 9ff.; F. Grims, ebd., S. 43ff.; Ch. Riedl-Dorn, ebd., S. 199ff.; W. R. Kainrath, in: F. S.-Gedenkbd., ed. H. Fischer u. a. (= Geograph. Jahresber. aus Österr. 53), 1996, S. 9ff.; H. Nagl, ebd., S. 25ff., I. Kretschmer, ebd., S. 43ff. (m. W.); R. Moser, Die Bedeutung von F. S. für die Erforschung der Dachsteingletscher, 1996; W. R. Kainrath, Der Teilnachlaß F.S. in der Fachbibl. für Geographie, 1997; AVA, UA, beide Wien; Mitt. Timm Starl, Wien.
(W. Kainrath)  
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 12 (Lfg. 57, 2004), S. 284
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