Simonyi-Semadam, Sandor (1864-1946), Politiker und Advokat

Simonyi-Semadam Sandor, Politiker und Advokat. Geb. Csesznek (Ungarn), 23. 3. 1864; gest. Budapest (Ungarn), 4. 6. 1946. – Nach Absolv. des Gymn. stud. S. Jus an der Univ. Budapest und prom. zum Dr. jur. I. d. F. eröffnete er eine Rechtsanwaltskanzlei in Budapest und war 1901–18 Abg. zum ung. Reichstag. Nach dem Zerfall der Monarchie wurde er in der Zeit der Räteregierung inhaftiert, schloß sich nach seiner Freilassung der Christl. nationalen Partei an und wurde 1920 ins ung. Parlament gewählt. Von Reichsverweser Miklós Horthy de Nagybánya nach dessen Wahl mit der Bildung einer Übergangsregierung beauftragt, war S. von März bis Juli 1920 Ministerpräs. einer gem. mit der Kleinlandwirtepartei gebildeten Koalitionsregierung und anfängl. kurze Zeit auch Innenund Außenminister. In seiner Amtszeit wurde im Juni 1920 der Friedensvertrag von Trianon, der einschneidende territoriale Verluste für Ungarn zur Folge hatte, unterzeichnet. Nach seinem Rücktritt als Regierungschef gehörte er weiterhin zu den führenden Politikern seiner Partei, wechselte aber 1921 als einer der prominentesten Proponenten, die für eine freie Kg.wahl und gegen die automat. Rückkehr der Habsburger eintraten, zur Kleinlandwirtepartei. Bereits im folgenden Jahr zog er sich jedoch weitgehend aus dem polit. Leben zurück. 1922 fungierte er als Mitgl. des Landesfinanzrats und 1932 als Regierungskoär. der Ung. Hypothekenbank.

L.: M. Életr. Lex.; Révai; Magyar Politikai Lex., 1929; A Magyar Társadalom Lex., 1930; B. v. Krusenstjern, Die ung. Kleinlandwirte-Partei (1909–1922/1929) (= Studia Hungarica 18), 1981, s. Reg.
(Z. Nyári)  
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 12 (Lfg. 57, 2004), S. 287f.
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