Sindelar, Matthias (1903-1939), Fußballer

Sindelar Matthias, Fußballer. Geb. Koslau, Mähren (Kozlov, Tschechien), 10. 2. 1903; gest. Wien, 23. 1. 1939. – Sohn eines Maurers und einer Wäscherin, wuchs S. in Wien-Favoriten auf. Nach Absolv. einer Schlosserlehre arbeitete er als Autoschlosser, später in einem Sportgeschäft. Als Kind und Jugendlicher von schwächl. Statur, holte er sich seine fußballer. Grundausbildung auf der „Gstettn“ und entwickelte schon bald eine auffallende Virtuosität im Umgang mit dem Ball. Daher brachte ihn der Nachwuchstrainer des Fußballklubs Hertha zu diesem Ver., wo S. Anfang 1923 in der Kampfmannschaft debüt. und bald ausgez. Kritiken erhielt. Nachdem eine Meniskusverletzung seine Karriere beinahe beendet hätte, wechselte S. im September 1924 als Berufsfußballer zum Wr. Amateursport-Ver. (ab 1926 Austria Wien), bei dem er sich aber nur langsam durchzusetzen vermochte. Dennoch gewann S. mit den Amateuren in der Saison 1925/26 den Meistertitel. Spielwitz und außerordentl. Ballbeherrschung machten ihn zu einem der besten und populärsten Fußballspieler Österr.und trugen ihm ab 1926 insgesamt 43 Berufungen ins Nationalteam ein, doch wurde lange sein „körperloses“ Spiel, das ihm den Spitznamen „Papierener“ eintrug, bemängelt. Seine größten Erfolge erreichte er als Mittelstürmer des sog. Wunderteams, das 1931/32 gegen die besten Nationalmannschaften Europas in 18 Spielen 15 Siege erzielte, wobei S. beim 8:2 gegen Ungarn das wohl beste Spiel seiner Karriere lieferte. In den 30er Jahren war er als Nachfolger von Josef Uridil umjubelter Star des Wr. Fußballs. Er war Werbeträger für Anzüge, Uhren und Molkereiprodukte und wurde sogar Filmstar. Seine sportl. Erfolge erreichte er in den folgenden Jahren bes. mit der Austria, mit der er 1933 und 1936 den „Mitropacup“, an dem sich die besten Vereinsteams Mitteleuropas beteiligten, gewinnen konnte. Ab 1937 neigte sich S.s Karriere dem Ende zu, für Aufsehen sorgte er aber nochmals im April 1938, als er das Team „Deutschösterreich“ gegen eine Auswahl des „Altreichs“ zu einem 2:0–Sieg führte. An einem Einsatz in der dt. Auswahl scheint S., der ab 1938 ein arisiertes Kaffeehaus führte, nicht mehr interessiert gewesen zu sein. Bis heute gilt er als der beste Fußballspieler, den Österr. jemals hervorgebracht hat. Zu seinem Mythos trägt auch sein mysteriöser Tod infolge einer Kohlenmonoxidvergiftung bei.

L.: Czeike (m. B.); (F. Blaha), S., 1946 (m. B.); W. Maderthaner, in: Die Kanten des runden Leders, ed. R. Horak – W. Reiter, 1991, S. 203ff. (m. B.); ders., in: Beitrr.zur hist. Sozialkde. 22, 1992, H. 3, S. 87ff. (m. B.); R. Horak – ders., Mehr als ein Spiel, 1997, S. 141ff. (m. B.); M. Marschik, Vom Nutzen der Unterhaltung, 1998, bes. S. 318ff.; ders., Wr. Austria, 2001, passim (m. B.); P. Menasse, in: NU, 2003, H. 14, S. 7ff. (m. B.); M. Marschik, in: SportZeiten 4, 2004, H. 1; Materialiensmlg. ÖBL, Wien; Mitt. Ludwig Stecewicz (†), Wien.
(M. Marschik)  
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 12 (Lfg. 57, 2004), S. 292
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