Singer, Edmund (1841-1894), Jurist

Singer Edmund, Jurist. Geb. Brünn, Mähren (Brno, Tschechien), 11. 2. 1841; gest. Wien, 1. 10. 1894; mos., dann röm.-kath. – Sohn eines wohlhabenden Brünner Wollhändlers, Bruder von Friedrich (Fritz) S. (s.u.) und Heinrich Joseph S. (s. d.). S.stud. 1858–62 an der Univ. Wien Jus; 1864 Dr. iur. sub auspiciis imperatoris. Nach der Gerichtspraxis war er 1864–71 Advokaturskonzipist in Wien und konnte sich bereits zu dieser Zeit als Verteidiger in Strafprozessen profilieren; ab 1872 Hof- und Gerichtsadvokat. Obwohl S. in Zivil- und Strafsachen gleich bewandert war, trat er, ein glänzender Redner, v. a. als Verteidiger hervor. Aufmerksamkeit erregte seine – wenn auch vergebl. – Verteidigung des Raubmöders Enrico v. Francesconi (1876) und jene des im Ringtheater-Prozeß 1882 (nach dem Brand dieses Theaters 1881) zwar verurteilten, bald danach aber begnadigten Dir. Franz v. Jauner (s. d.). S. hat seine hohen fachtheoret. Kenntnisse zwar nicht in Publ., aber als Lehrer vermittelt: 1872–86 unterrichtete er an der Juristen-Abt. der Wr. Theresian. Akad., ab 1878 war er ao. Prof. für bürgerl. Recht an der Oriental. Akad., ab 1872 auch Mitgl. der rechtshist. und der judiziellen Staatsprüfungskomm.; 1889 Reg.rat. 1882 bemühte er sich u.a. mit Fischhof (s. d.) um die Gründung einer Dt. Volkspartei. Diese wurde von Schönerers (s. d.) Dt.nationalem Ver. als zu wenig radikal bekämpft, und S. gab weitere polit. Ambitionen nach dem Scheitern seiner Kandidatur (gegen Wilhelm Franz Exner, s. d.) bei den RR.wahlen 1885 auf.Sein Bruder Friedrich (Fritz) S. (geb. Brünn, 1851; gest. Wien, 16. 5. 1905), mos., übernahm 1879 die Brünner Tuchgroßhandlung D. Stein und war ab 1885 Mitgl. der Brünner HGK, von der er im Jänner 1905 in den RR gewählt wurde. Ab 1896 auch Mitgl. des Mähr. LT, war er ein überzeugter Anhänger der Dt.fortschrittl. Partei.

L.: Illustrirtes Wr. Extrabl., 17. 11. 1876, 2. 10. 1894 (m. B.); NFP, 17. 11. 1876, 2. 10. 1894 (auch A.); NWT, 22., 27.-28. 5. 1885, 2. 10. 1894; FB, 22. 5. 1885, 2. 10. 1894; Dt. Ztg., 26.-28. 5. 1885; Oesterr. Volks-Ztg., 2. 10. 1894; Heller 3; C. Th. Fockt, Der Ringtheater-Proceß in Wien, 1882, S. 17, 77f., 84f.; Gerichtshalle 38, 1894, S. 358; Jurist. Bll. 23, 1894, S. 474; Allg. Juristen-Ztg. 18, 1894, S. 23; R. Charmatz, A. Fischhof, 1910, s.Reg.; Berühmte Verteidigungsreden 1860–1917, ed. M. Neuda – L. Schmelz, 1921, S. 172ff.; S. Weyr, Die Wiener, 1971, S. 265f.; UA, WStLA, beide Wien. – Friedrich (Fritz) S.: NFP, 16. (A.), 18. 5., Mähr.-schles. Korrespondent, 16. (A., m. B.)-18., Tagesbote aus Mäh ren und Schlesien, 16. (A.)-19. 5. 1905; Heller 4; WStLA, Wien.
(H. Reitterer)  
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 12 (Lfg. 57, 2004), S. 293f.
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