Sitter, Karl (1825-1884), Journalist und Schriftsteller

Sitter Karl, Journalist und Schriftsteller. Geb. Wien, 29. 1. 1825; gest. ebd., 20. 5. 1884; röm.-kath. – Sohn eines Beamten. Nach Absolv. des Schottengymn. in Wien und der phil. Jgg. in Budweis (České Budĕjovice) stud. S. ab 1844 an der Univ. Wien Med., ab 1847 auch Jus, brach sein Stud. jedoch aus finanziellen Gründen ab, und trat im selben Jahr als Praktikant in die Hofkriegsbuchhaltung ein. 1849 gab S., der bereits Beitrr. für mehrere vormärzl. Bll. verf. hatte, den Staatsdienst zugunsten seiner journalist. Tätigkeit auf. Bereits 1848 hatte er gem. mit Etienne (s. d.) das kurzlebige polit.-satir. Abendbl. „Schwefeläther“ hrsg., 1849 folgte der gem. mit Eduard Breier gegr. polit.-satir. „Punch“, der neben den beiden Hrsg. Scheibe und Schlögl (beide s. d.) zu seinen Autoren zählte. Nachdem das Bl. 1851 von der Militärbehörde verboten worden war, wurde S. zum Militär zwangsverpflichtet. Er verbrachte ein Jahr in der Strafkomp. in Olmütz (Olomouc), ehe er auf Intervention von Minister Bach (s. d.) entlassen wurde. (Seine Erlebnisse in dieser Zeit schilderte er unter dem Titel „Blecherne Memoiren eines Journalisten aus Eisen“ von Oktober bis Dezember 1872 in der WS „Der Correspondent“). S. nahm 1853 sein Stud. wieder auf, das er ohne Doktorat 1855 vollendete, und schrieb für verschiedene Journale, v. a. für E. Schwarzer v. Heldenstamms (s. d.) „Donau“ u. a. 1856 den auch selbständig erschienenen humorist. Roman „Leben und Lieben in Wien“. Seine journalist. bedeutendste Tätigkeit begann er 1857 als Red. des von ihm gem. mit Rudolf v. Waldheim gegr. humorist. Wochenbl. „Figaro“, das er bis zu seinem Tod leitete und auf einem in Österr. in diesem Genre bislang ungekannten Niveau halten konnte, welches auch i. d. F. von ähnl. Bll. nicht mehr erreicht wurde. Zu seinen Mitarb. zählten u. a. Anzengruber, Kürnberger, Masaidek, Schlögl (alle s. d.) und Daniel Spitzer, die Illustrationen stammten von Künstlern wie E. Juch, Laufberger und L. K. Müller (alle s. d.). 1876 wurde dem „Figaro“ das von S. und Schlögl gegr. Beibl. „Wiener Luft“ angegliedert, für das Carl v. Stur, später der von S. entdeckte Schliessmann (s. d.) und Theodor Zasche zeichneten. Bemerkenswert sind neben S.s redaktioneller Leistung auch seine originellen und bühnengeschichtl. wertvollen Theaterkritiken.

L.: NFP, 20. (A.), Konstitutionelle Vorstadt-Ztg., 21., Dt. WS 25., Wr. Allg. Ztg., 28. 5., Oesterr.-ungar. Volksbl. für Stadt und Land, 1. 6. 1884; NWT, 20. 5. 1924; Czeike; Giebisch–Gugitz; Hall–Renner; Kosch; Nagl–Zeidler–Castle 3–4, s. Reg.; Stern–Ehrlich, S. 51f.; E. Schwub, K. S., phil. Diss. Wien, 1950; E. Scheidl, Die humorist.-satir. Presse in Wien ... und die öff. Meinung, phil. Diss. Wien, 1950, S. 89, 126ff., 136ff.; W. Häusler, in: Österr. in Geschichte und Literatur 31, 1987, S. 104.
(E. Offenthaler)  
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 12 (Lfg. 57, 2004), S. 312
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