Sittig, Otto (1886-1944), Neurologe und Psychiater

Sittig Otto, Neurologe und Psychiater. Geb. Kgl. Weinberge, Böhmen (Praha, Tschechien), 7. 9. 1886; gest. KZ Auschwitz-Birkenau, Dt. Reich (Oświęcim, Polen), Ende Oktober 1944; mos. – Sohn eines Baudir. S. stud. Med. an der dt. Univ. Prag. Als Dr. med. (1910) ließ er sich in Psychiatrie unter Arnold Pick (s. d.) und Otto Pötzl ausbilden. 1911 Externarzt, dann Ass. an der psychiatr. Klinik in Prag, war S. 1912–17 als Ass. an der med. Fak. in Berlin tätig. Während des 1. Weltkriegs sammelte S. als Neurologe in der Festung Przemyśl wertvolle Erfahrungen. 1919/20 war er Ass. am neurolog. Inst. in Frankfurt am Main und i. d. F. an der psychiatr. Klinik der Univ. Prag, wo er sich 1921 mit der Arbeit „Zur Psychopathologie des Zahlenverständnisses“ für Neurol. und Psychiatrie habil. Ab 1922 betrieb S. eine Privatpraxis in Prag, ab 1925 arbeitete er als unbesoldeter Labor-Ass. an der psychiatr. Klinik (o. Prof. 1931) und fungierte ab 1932 als Neurologe und Psychiater am Spital der Barmherzigen Brüder in Prag. 1939 resignierte er auf Grund der polit. Entwicklung, wurde im Juli 1943 nach Theresienstadt (Terezín) und am 28. Oktober 1944 von dort nach Auschwitz gebracht. S. galt als hervorragender Kliniker und verf. ca. 80 wiss. Arbeiten, wobei seine Hauptthemen im Bereich der klin. Psychiatrie, Neurol. und der Histopathol. des Nervensystems lagen. Bes. verdient machte er sich mit Übers. engl.sprachiger med. Fachliteratur, insbes. mit den Publ. von John Hughlings Jackson, der sich bes. durch Forschungen auf dem Gebiet der Epilepsie verdient gemacht hat, ins Deutsche.

W.: s. u. Kreuter.
L.: Koerting, Med. Fak. Prag; Kreuter (m. W.); Kürschner, Gel.Kal., 1935; R. Altschul, in: Archives of Neurology 54, 1945, Nr. 4, S. 303; R. M. Wlaschek, Biographia Judaica Bohemiae 2 (= Veröff. der Forschungsstelle Ostmitteleuropa an der Univ. Dortmund, R. B, 52), 1997; L. Hlaváčková – P. Svobodný, Biograph. Lex. der dt.med. Fak. in Prag 1883–1945, 1998; UA, Praha, Tschechien; Archiv des KZ Auschwitz, Oświęcim, Polen.
(D. Angetter)  
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 12 (Lfg. 57, 2004), S. 312f.
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