Skarbek, Aleksander Wincenty Jan Gf. (1874-1922), Politiker und Gutsbesitzer

Skarbek Aleksander Wincenty Jan Gf., Politiker und Gutsbesitzer. Geb. Jordanowice, Rußland (Polen), 18. 1. 1874; gest. Lwów, Polen (L’viv, Ukraine), 31. 5. 1922. – Sohn des Gutsbesitzers, Literaten und Philanthropen Henryk Gf. S. (geb. Warschau, Polen, 10. 4. 1839; gest. Lemberg, Galizien/L’viv, Ukraine, 2. 1. 1904), der ab 1885 als Kurator der S.schen Armen- und Waisen-Stiftung fungierte. Ab 1882 in Galizien ansässig, besuchte S. die Gymn. in Lemberg und Stryj (Matura 1894) und stud. ab 1895 Jus an der Univ. Innsbruck, 1899 Dr. jur. Seine darauffolgende Tätigkeit als Beamter in der Statthalterei und im Landesschulrat in Lemberg brach er 1903 ab, um die von seiner Frau eingebrachten Güter, v. a. jene im ostgaliz. Bez. Rudki, zu bewirtschaften. Verbunden mit seiner polit. (Bez.obmann ab 1904), wirtschaftl. und gesellschaftl. Tätigkeit in diesem Bez. stieg er zu einem der führenden Exponenten der 1905 gegr. nationaldemokrat. Partei auf. Ab 1908 war er Abg. des galiz. LT, ab 1909 des RR, wo er dem Polenklub angehörte. Diese polit. Mandate eröffneten ihm den Zugang zu den wichtigsten wirtschaftsadministrativen Institutionen Lembergs, u. a. der Landwirtschaftsges. und der Landeskreditbank. Polit. trat S. als scharfer Gegner der Ausgleichspolitik des Statthalters Bobrzyński (s. d.) auf; jedoch erst nach dessen Demission gelangte S. als Vizepräs. des Polenklubs (1913–14) zu größerem Einfluß. Nach Ausbruch des 1. Weltkriegs war er zunächst einer der Mitbegründer des nationaldemokrat. orientierten Zentralen Nationalkomitees und danach an der Schaffung des allparteil. Obersten Nationalkomitees in Wien beteiligt. Dort übernahm er die Leitung der für die Organisierung der östl. Legionen zuständigen Militärabt. Ost, war für deren Auflösung im September 1914 allerdings mitverantwortl. Deswegen unter starken polit. Druck geraten, setzte er sich in die Schweiz ab und kehrte erst 1917 unter dem Schutz der parlamentar. Immunität nach Österr. zurück. Im Zuge des Zusammenbruchs der Monarchie spielte er zunächst in der Poln. Liquidationskomm. eine wichtige Rolle und gehörte dann zu den wichtigsten Protagonisten im poln.-ukrain. Konflikt um Lemberg. Dank seines RR- Mandats automat. Mitgl. des verfassungsgebenden Sejm, setzte er seine Rolle als führender nationaldemokrat. Politiker in den ersten Jahren der poln. Republik fort.

L.: Neues Wr. Journal, 8. 6. 1922; Freund, 1911, s. Reg. (m. B.); PSB; Kto był kim w Drugiej Rzeczypospolitej, red. J. M. Majchrowski u. a., 1994, S. 427 (m. B.); H. Binder, Polen, Ruthenen, Juden. Politik und Politiker in Galizien 1897–1918, 2, phil. Diss. Bern-Wien, 1997, S. 145f.; Die Matrikel der Univ. Innsbruck. Abt.: Rechts- und Staatswiss. Fak. 1, bearb. P. Goller, 1998, S. 372.
(H. Binder)  
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 12 (Lfg. 57, 2004), S. 315f.
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