Škarda, Vladimír (1863-1930), Bankier und Jurist

Škarda Vladimír, Bankier und Jurist. Geb. Prag, Böhmen (Praha, Tschechien), 25. 3. 1863; gest. ebd., 22. 3. 1930. – Sohn von Jakub, Bruder von Václav Š. (beide s. d.). Nach Absolv. des akadem. Gymn. in Prag stud. Š. an der dortigen Univ. Jus, 1886 Dr. jur., und eröffnete – nach kurzer Praxis in der Rechtsanwaltskanzlei seines Vaters – 1892 eine eigene Kanzlei. Er etablierte sich als ein bes. von Firmen gesuchter Rechtsanwalt, engagierte sich aber auch standespolit. als Mitbegründer des Ver. tschech. Rechtsanwälte und als Schatzmeister der Rechtsanwaltskammer Böhmens. Als Experte für Handelsrecht war Š. in der Leitung zahlreicher Unternehmen und im Verwaltungsrat verschiedener Firmen vertreten. Von bes. Bedeutung war seine Tätigkeit in der Böhm. Industrial-Bank: Seit deren Gründung 1898 aktives Verwaltungsratsmitgl., gewann er sukzessive großen Einfluß nicht nur in der Leitung der Bank, sondern auch unter den böhm. Unternehmern. In der Kredit- und Investitionspraxis der Böhm. Industrial-Bank setzte er v. a. die Orientierung auf Zuckerfabriken, Spiritusbrennereien und Bierbrauereien, aber auch auf die Mühlen- und Backind. durch. 1916 wurde er Vors. des Verwaltungsrats der Bank, die er als Präs. bis zu seinem Tod leitete. Polit. gehörte Š., wie sein Bruder, den Jungtschechen an, ab 1898 war er für die Finanzgebarung dieser Partei mitverantwortl. Nach der Entstehung der Tschechoslowak. Republik trug er wesentl. zur Kapitalverstärkung der Böhm. Industrial-Bank bei und bemühte sich um Investitionen in weitere Ind.zweige, insbes. in Maschinenbau und Waffenind. Š. konnte seinen wirtschaftl. Einfluß aber auch als Vors. bzw. Mitgl. des Verwaltungsrats zahlreicher weiterer Ind.betriebe durchsetzen und wurde derart zu einer bestimmenden Persönlichkeit nicht nur im Wirtschaftsleben, sondern auch im öff. Leben Böhmens und der Tschechoslowak. Republik: So arbeitete er fast zehn Jahre lang im Komitee des Tschech. Zentralschulver. und gehörte zu den Förderern des Nationaltheaters in Prag. Auch literar. tätig, schrieb er belletrist. Artikel für Z. und übers. für das Nationaltheater mehrere Theaterstücke aus dem Französ.

W.: O právní povaze a platnosti práva města Prahy k řece Vltavě, 1888; etc.
L.: Bohemia, 26. 3. 1930; Otto; M. Navrátil, Almanach českých právníků, 1904 (m. B.); ders., Almanach československých právníků, 1930; Archiv der Tschech. Nationalbank Prag, Praha, Tschechien.
(V. Lacina)  
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 12 (Lfg. 57, 2004), S. 317f.
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