Skaret, Ferdinand (1862-1941), Politiker und Gewerkschafter

Skaret Ferdinand, Politiker und Gewerkschafter. Geb. Reichenberg, Böhmen (Liberec, Tschechien), 10. 9. 1862; gest. Wien, 3. 1. 1941. – Sohn eines Webergehilfen. Nach Lehr- und Wanderjahren als Tischlergeselle kam S. 1880 nach Wien, wo er zunächst als Sekr. der Tischlergewerkschaft und Red. der „Tischlerzeitung“ tätig war, anfangs der 90er Jahre zum Obmann des Holzarbeiterverbands aufstieg und einflußreiches Mitgl. der Gewerkschaftskomm., des Dachverbands der sozialdemokrat. dominierten Freien Gewerkschaften, wurde. Bis 1897 nahm er eine führende Position in der Prager Leitung der österr. Sozialdemokratie ein, vertrat diese auf mehreren internationalen Kongressen (1893 in Zürich, 1900 in Paris) und war auch Mitgl. des Exekutivkomitees der Sozialist. Arbeiter-Internationale. Ein enger Vertrauter Victor Adlers (s. d.), baute S. – bereits seit den frühen 90er Jahren im „engeren Parteiausschuß“ – als Organisationssekr. der gesamtösterr. Sozialdemokratie (ab 1898) diese zur demokrat. Massenpartei mit außerordentl. Effizienz und Schlagkraft auf. S. war außerdem Mitbegründer der Hammerbrotwerke, Obmann des Konsumver. Vorwärts und Ges. des Verlags der Volksbuchhandlung. 1906 gelang ihm der Einzug in den Wr. Gmd.rat, 1907 wurde er in den RR gewählt. Nach Ausrufung der Republik war er 1918 kurzfristig Stadtrat in Wien und gehörte weiterhin sowohl dem Wr. Gmd.rat (bis 1923) als auch dem Nationalrat an, aus dem er 1930, nach Erreichen der Altersgrenze, ausschied. 1932 zog er sich aus den Leitungsgremien der Sozialdemokrat. Partei wie aus dem polit. Leben überhaupt zurück.

L.: AZ, 10. 9. 1932 (m. B.); Bourdet; Czeike; A. Magaziner, Die Wegbereiter, 1975, S. 44ff. (m. B.); K. Stimmer, Die Arbeiter von Wien, 1988, s. Reg.; Die Organisation der österr. Sozialdemokratie 1889–1995, ed. W. Maderthaner – W. C. Müller (= Sozialist. Bibl., Abt. 3/1), 1996, bes. S. 53ff., 58.
(W. Maderthaner)  
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 12 (Lfg. 57, 2004), S. 318
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