Skene, Alfred (I.) (1815-1887), Großindustrieller und Politiker

Skene Alfred (I.), Großindustrieller und Politiker. Geb. Verviers (Belgien), 15. (18.) 5. 1815; gest. Wien, 14. 5. 1887; röm.-kath. – Sohn des aus einer altschott. Familie stammenden Off. der niederländ. Armee und späteren Brünner Tuchfabrikanten Philipp William (Wilhelm) (geb. Köln/Dtld., 13. 6. 1790; gest. Brünn, Mähren / Brno, Tschechien, 29. 9. 1842), Bruder von August S., Vater von Alfred (II.) (beide s. d.), Großvater von Alfred (III.) Frh. v. S. (s. u. Alfred [II.] Frh. v. S.). S. erhielt seine schul. Ausbildung in Schnepfenthal bei Gotha und diente 1831–46 als Kavallerist in der österr. Armee (zuletzt Oblt.). 1847 gründete er im mähr. Alexowitz (Alexovice) eine Tuchfabrik, in der vorzügl. Militärtuche, aber auch feine Modestoffe für den Export hergestellt wurden und die er zuerst gem. mit seinem Bruder Karl, ab 1859 mit August führte. Bereits 1851 hatte S. gem. mit August in Mähren die Rübenzuckerfabrik in Doloplas(Doloplazy) begründet, weitere in Prerau (Přerov), 1859, und Leipnik (Lipník nad Bečvou), 1867, folgten. 1855 übersiedelte S. nach Brünn, wo er auch die väterl. Tuchfabrik leitete. Ab 1866 in Wien, errichtete er 1870 in der Nähe des Arsenals eine Fabrik für Heeresausrüstung (ausgenommen Waffen), die bis Ende der 70er Jahre Bestand hatte. In seinem Firmenimperium waren zeitweise insgesamt bis zu 4.000 Personen beschäftigt. S. nahm aber nicht nur im Wirtschaftsleben der Monarchie, sondern auch polit. eine wichtige Rolle ein: 1858 Vizepräs. der Brünner HGK, ab 1861 Abg.zum mähr. LT, 1861–71 sowie 1875–86 zum RR. Dort gehörte der dt.liberale S. zunächst dem Klub der Linken an, bildete jedoch als entschiedener Gegner des Ausgleichs 1876 die Partei der Unabhängigen, um nachdrückl. eine Schutzzollpolitik – S. war ab 1875 Präs. des nö. schutzzöllner. Ver. – zu propagieren. Ferner versuchte er als Mitgl. bzw. Vors. des Industriellen Klubs die Interessen der Fabrikanten bezügl. der Arbeitergesetzgebung durchzusetzen. 1864–66 war S. auch Bgm. von Brünn, wo er wichtige Maßnahmen zur Stadterweiterung, etwa die Demolierung der Stadtmauern, initiierte. Nach S.s Tod übernahm sein Sohn Alfred (II.) die Zuckerfabrik in Prerau, sein Sohn Louis führte die Fabrik in Alexowitz als Alleininhaber weiter.

L.: FB, NFP, Mähr.-schles. Correspondent (alle A.), 14., FB, 15., Mähr.-schles. Correspondent, 17. (m. B.) 5. 1887; Großind. Österr. I/3, S. 11, I/5, S. 139, 141; Hahn, 1867, 1879, 1885; Heller 4; Otto; Wurzbach; Biograph. Lex. der Wr. Weltausst., ed. Engel – Rotter, (1873) (m. B.); A. Eckstein, Industrielle. Die Vertreter der Ind., des Handels ... 1, 1884 (m. B.); J. Baxa, Die Geschichte der Leipnik-Lundenburger Zuckerfabriken AG, 1930, passim; H. Benedikt, Die wirtschaftl. Entwicklung in der Franz-Joseph-Zeit (= Wr. Hist. Stud. 4), 1958, s. Reg.; ders., A. v. Schoeller ..., 1958, s. Reg.; R. Granichstaedten-Czerva u. a., Altösterr. Unternehmer (= Österr.-R.365/67), 1969, S. 116f.; D. Harrington-Müller, Der Fortschrittsklub im Abg.haus des österr. RR 1873–1910 (= Stud. zur Geschichte der österr.-ung. Monarchie 11), 1972, s. Reg.; Habsburgermonarchie 1, 7, beide s. Reg.; KA, Wien.
(J. Mentschl)  
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 12 (Lfg. 57, 2004), S. 320
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