Skene, Richard (I.) von (1867-1947), Industrieller

Skene Richard von (I.), Industrieller. Geb. Wien, 11. 9. 1867; gest. ebd., 4. 6. 1947; evang. AB. – Sohn von August v. S., Schwager von Robert v. Schoeller (beide s. d.), Vater von Richard (II.) v. S. (s. u.). S. erhielt seine schul. Ausbildung in Schnepfenthal bei Gotha, danach stud. er 1885–89 Jus an der Univ. Wien, 1890 Dr. jur., und trat im selben Jahr in die Leipnik-Lundenburger Zuckerfabrik ein. Er folgte seinem Vater im Vorstand der Leipnik-Lundenburger Zuckerfabriken AG nach und war ab 1920 deren Präs. (davor Vizepräs.) bzw. 1940–44 Vorstandsvors. 1902 entstand auf S.s Initiative die Zuckerfabrik in Leopoldsdorf (NÖ), die Fabriken in Kwassitz (Kvasice) und Wschetul (Všetuly) wurden gekauft. In den 20er Jahren betrieb er die Fusion des Leipnik-Lundenburger Unternehmens mit der Dürnkruter Zuckerfabrik. Schon früh hatte S. die Notwendigkeit eines Zusammengehens und von Kontingentierungen in der Zuckerind. erkannt und bereits am Entstehen des ersten Kartells der Zuckerraffinerien, 1891, sowie einer Reihe weiterer entscheidenden Anteil. Ab 1917 fungierte er als – letzter – Präs. des Zentralver. der Rübenzuckerind. Österr.-Ungarns. 1922 schlossen sich die nö. Zuckerfabriken unter der Leitung der Leipnik-Lundenburger Zuckerfabriken AG zu einer Verkaufsvereinigung zusammen und waren bald in der Lage, den gesamten Zuckerbedarf der Republik Österr. zu decken. Börsenrat S., eine der dominierenden Persönlichkeiten innerhalb der Rübenzuckerind., hatte auch bedeutende Funktionen im Ind.-, Bank- und Versicherungswesen Österr.-Ungarns und der Republik Österr. inne, so als Präs. der Allg. Verkehrsbank, Verwaltungsrat der Österr. Länderbank etc. Bis 1938 war S. Mitgl. der Heimwehr und der Vaterländ. Front. Sein Sohn Richard (II.) v. S. (geb. Wien, 5. 5. 1909; gest. bei Wien, April 1945, gefallen) absolv. das Theresianum in Wien und ging dann nach England und Dtld., wo er Vorlesungen über Volkswirtschaftslehre hörte. 1930 trat er in die Leipnik-Lundenburger-Zuckerfabriken AG ein, in der er 1931 Prokurist und 1936 Dion.mitgl. wurde. Nach dem „Anschluß“ 1938 war er Betriebsführer der Wr. Zentrale sowie der Fabriken Leopoldsdorf und Dürnkrut und leitete die Bez.gruppe Ostmark der Wirtschaftsgruppe Zuckerind.

L. (tw. auch für Richard [II.] v. S.): Die Ind. 47, 1947, Nr. 23, S. 1; J. Baxa, Die Geschichte der Leipnik-Lundenburger Zuckerfabriken AG, (1930), passim (m. B.); ders., Die Leipnik-Lundenburger Zuckerfabriken AG 1930–40 und ihr Rübeneinzugsgebiet, 1940, s. Reg; ders., in: Bll. für Technikgeschichte 17, 1955, passim (m. B.); (ders.), Österr. Zuckerind. AG 1909–59, (1960), s. Reg.; AdR, UA, beide Wien.
(J. Mentschl)  
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 12 (Lfg. 57, 2004), S. 321f.
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