Skoda (Škoda), Karl Frh. von (1878-1929), Großindustrieller und Techniker

Skoda (Škoda) Karl Frh. von, Großindustrieller und Techniker. Geb. Pilsen, Böhmen (Plzeň, Tschechien), 29. 6. 1878; gest. Semmering (NÖ), 10. 1. 1929; röm.- kath. – Enkel von Franz, Sohn von Emil v. S. (beide s. d.). S. stud. nach Absolv. des Gymn. in Pilsen 1895–97 an der Eidgenöss. Polytechn. Schule in Zürich, 1897–99 an der TH Stuttgart (Abt. für Maschinening.- wesen) und trat nach dem Tod seines Vaters 1900 als Betriebsing. in die Waffenabt. der Škodawerke AG ein, wo er auf Grund seiner Aktienmehrheit 1906 Stellv. Gen.dir. und 1909 Gen.dir., 1917–19 Präs. wurde. Die erfolgreiche Auftragslage erforderte 1906 den Bau einer neuen Eisengießerei und Maschinenfabrik, 1909 einer Waggonachsenfabrik. Ab 1909/10 erhielten die Škodawerke den Großtl. der Geschützaufträge für die österr.- ung. Kriegsmarine, was 1912 zu einer Erweiterung der Maschinenfabrik und der artillerist. Werksanlage sowie dem Bau einer neuen Zahnradfabrik führte. 1913 schloß die Ges. mit der ung. Regierung einen Vertrag über die Mitwirkung an der Errichtung der Ung. Kanonenfabriks AG in Raab (Győr) mit Sitz in Budapest ab. Unter S.s Leitung beschäftigten die Škodawerke schon vor 1914 mehr als 30.000 Mitarb. Durch den Ausbau der Stahlhütte und der Waffenproduktion avancierte der Pilsener Betrieb zu einem der größten Rüstungszentren der Monarchie, der der Armee vor und während des 1. Weltkriegs schweres Kriegsgerät, wie Kanonen, Haubitzen und Mörser, sowie den österr. Staatsbahnen große Kontingente an Waggonachsen liefern konnte. Für seine Verdienste um die techn. Entwicklung des 30,5 cm-Mörsers wurde S. 1914 Dr.-Ing. h. c. der TH Stuttgart sowie der Dt. TH in Prag. Im selben Jahr erfolgte seine Erhebung in den Frh.stand, 1915 seine Ernennung zum Marineartillerie-Generaling. a. D., 1917 zum lebenslängl. HH-Mitgl. S., der auch als Verwaltungsrat zahlreicher Unternehmen, u. a. der Oesterr. Credit-Anstalt für Handel und Gewerbe und der Österr. Daimler-Motoren AG, fungierte, mußte 1919 die Tschechoslowakei verlassen; die Škoda-Aktien gingen in französ. Besitz über. S. ließ sich in Wien bzw. Gaaden nieder, von wo aus er seine böhm. Güter u. a. in Žinkau (Žinkovy) verwaltete.

L.: NFP, 30. 10. 1915, 10. (A.), 11. 1. 1929; RP, 22. 5. 1917, 11. 1. 1929; Egerländer Biograf. Lex.; Hanzalová; NÖB 4, 1927 (s. u. Emil v. S.); Poggendorff 6; O. Dirmoser, in: Bll. für Technikgeschichte 8, 1942, S. 73, 75 (m. B.); A. Fessen, Der österr. Wirtschaftsadel von 1909–18, phil. Diss. Wien, 1974, S. 165ff.; G. Otruba, in: Lebensbilder zur Geschichte der böhm. Länder 1, ed. K. Bosl, 1974, S. 210f., 219ff.; M. Gutsjahr, Rüstungsunternehmen Österr.-Ungarns vor und im 1. Weltkrieg, phil. Diss. Wien, 1995, S. 46ff.; AVA, Wien; ETH Zürich, Schweiz; UA, Stuttgart, Dtld.; Pfarramt Gaaden, NÖ.
(J. Mentschl)  
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 12 (Lfg. 57, 2004), S. 327
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