Škrabec, Stanislav (Anton) (1844-1918), Sprachwissenschaftler und Schriftsteller

Škrabec Stanislav (Anton), OFM, Sprachwissenschaftler und Schriftsteller. Geb. Krobatsch, Krain (Hrovača, Slowenien), 7. 1. 1844; gest. Laibach, Krain (Ljubljana, Slowenien), 6. 10. 1918. – Aus bäuerl. Familie, trat Š. 1863 in Laibach in den Franziskanerorden ein; 1866 Ablegung der Ordensgelübde, 1867 Priesterweihe. 1868–70 unterrichtete er Griech., Dt. und Slowen. am Ordensgymn. in Rudolfswerth (Novo mesto) und stud. danach bis 1873 klass. Philol. und Slawistik an der Univ. Graz; 1876 Lehramtsprüfung. 1873–1915 lehrte Š. Latein., Griech., Slowen., Italien. und Kroat. am Gymn. des Franziskanerklosters in Kostanjevica (bei Görz), dessen Leitung er auch zeitweilig inne hatte. 1890–92 war er Definitor, 1892–95 Kustos der Ordensprovinz. Š. veröff. bereits 1870 eine richtungweisende Stud. über die Phonetik der slowen. Schriftsprache. Mit dem populärtheol. Monatsbl. „Cvetje z vertov sv. Frančiška“, dessen Red. und Hauptbeiträger er war, schuf er sich zugleich ein Publ.organ für seine kontinuierl. sprachwiss. Produktion (Stud. zu Phonetik, Morphol., Orthographie und Stilistik des Slowen., eine Vielzahl von Rezensionen sowie krit. und polem. Schriften), die er auf den Innenseiten der Einbände der einzelnen He. abdrucken ließ. Der bedeutendste slowen. Sprachwissenschaftler seiner Zeit, hatte er entscheidenden Einfluß auf die Entwicklung der Schriftsprache. Seine realist. und weit vorausschauende Einschätzung des Sprachgebrauches im kirchl. Kontext zeigen Š.’ Bemühungen um die Verwendung des Slowen. beim Gottesdienst. In „Cvetje“ (1906, 1908, 1910) präsentierte er auch seine Variante einer Kurzschrift, die auf alle modernen europ. Sprachen anwendbar sein sollte sowie (1908–10) eine Kritik der damals aufkommenden Welthilfssprachen, wobei er dem international bereits bekannten Esperanto seine Neuschöpfung (auf der Grundlage des Latein.) „Eulalia“ entgegensetzte. Die im Kloster Kostanjevica heute bestehende sog. S. Škrabec-Bibl. ist in ihren Beständen nicht mit der von Š. zu Lebzeiten aufgebauten Privatbibl. ident.

W.: O glasu in naglasu našega knjižnega jezika v ízreki in pisavi, in: Programm des k k. Gymn. zu Rudolfswerth (Novomesto) ... 1870, 1870; Jezikosovni spisi 1/1 – 1/3, ed. S. Š., 1916–18, 1/4, ed. A. Breznik, 1919–21; Jezikoslovna dela, ed. H. Toporišič, 4 Bde., 1994–98; etc. – Hrsg.: Cvetje z vertov sv. Frančiška 1–32, 1880–1915.
L.: PSBL; SBL; J. Toporišič, in: Slavnístčna Revija 18, 1970; R. L. Lenček, in: Slovene Studies, 1983; Škrabceva misel, ed. J. Toporišič, 1–3, 1995–99; J. Moder, Imensko in stvarno kazalo k Jezikoslovnim delom patra S. Š., 1999; P. S. Š. ..., ed. B. Korošak, 2001; M. Umek, Samostanska knjižnica S. Š., phil. DA Ljubljana, 2002; Enc. Slovenije 13, 2003 (m. B.); Mitt. David Šrumpf OFM, Kostanjevica, Slowenien.
(E. Hüttl-Hubert)  
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 12 (Lfg. 57, 2004), S. 331f.
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