Skraup, Zdenko Hans (1850-1910), Chemiker

Skraup Zdenko Hans, Chemiker. Geb. Prag, Böhmen (Praha, Tschechien), 3. 3. 1850; gest. Wien, 10. 9. 1910; röm.-kath., ab 1891 evang. – Bruder von Karl S. (s. d.). S. stud. 1866–71 an der TH Prag, 1871 Ass. an derselben. 1872/73 in einer Porzellanfabrik in Alt-Rohlau (Stará Role), dann im Wr. Punzierungs- und Hauptmünzamt tätig, war S. 1873–81 Ass. am II. chem. Laboratorium der Univ. Wien u. a. bei Rochleder und Adolf Lieben (beide s. d.). 1875 Dr. phil. an der Univ. Gießen, 1878 Lehramtsprüfung für Chemie und Physik, 1879 Habil. für Chemie der Pflanzenstoffe an der TH Wien, 1881 Habil. für allg. Chemie an der phil. Fak. der Univ. Wien. Ab 1881 lehrte S. als Prof. an der Wr. Handelsakad., 1886 an der TH in Graz, ab 1897 an der Univ. Graz (Rektor 1903/04). 1906 kehrte er als Prof. und Leiter des II. chem. Laboratoriums an die Univ. Wien zurück. Wiss. bearb. er die Chemie der Pflanzenstoffe, bes. die der China-Alkaloide. 1880 gelang ihm die Synthese des Chinolins aus Nitrobenzol und Anilin, Glycerin und Schwefelsäure, worüber er erstmals 1880 publ. („Skraup-Synthese“). S. veröff. zahlreiche als Materialiensmlgg. gedachte Arbeiten über die Umlagerungen der Chinaalkaloide bei der Entwicklung von Säuren und der Bildung isomerer Basen, ohne die Frage der Isomerie eindeutig klären zu können. In den 1890er Jahren forschte er v. a. über Kohlenhydrate, wobei ihm die Entdeckung eines bislang unbekannten Disaccharids durch Überführung der Zellulose in die Zellobiose gelang. Schließl. wandte er sich der Untersuchung höherer molekularer Eiweißderivate zu. Für seine Verdienste vielfach ausgez., war S. u. a. ab 1892 korr., ab 1896 w. Mitgl. der Akad. der Wiss. in Wien.

W.: s. u. Kernbauer, 1985.
L.: NFP, 3., 6. 3., 12., 16., 20., 22. 9. 1910; WZ, 13. 9. 1910; Almanach Wien 61, 1911, S. 360ff. (m. B.); DBE;Poggendorff 3–5; E. Philippi, in: Österr. Naturforscher, Ärzte und Techniker, ed. F. Knoll, 1957, S. 49ff. (m. B.); J. H. Barnhart, Biographical notes upon Botanists 3, 1965; H. Wittmann – E. Ziegler, Die Entwicklung der chem. Wiss. an der Univ. Graz 1850–1982 (= Publ. aus dem Archiv der Univ. Graz 16), 1985, s. Reg.; A. Kernbauer, Das Fach Chemie an der Phil. Fak. der Univ. Graz (= Publ. aus dem Archiv der Univ. Graz 17), 1985, s. Reg. (m. W. und B.); ders., Geschichte der pharmazeut. Ausbildung in Österr. 2 (= Publ. aus dem Archiv der Univ. Graz 14/2), 1989, S. 288f.; AVA, Wien.
(A. Kernbauer)  
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 12 (Lfg. 57, 2004), S. 333f.
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