Skrbenský von Hříště (Hrzistie), Leo Frh. (1863-1938), Fürsterzbischof und Kardinal

Skrbenský von Hříště (Hrzistie) Leo Frh., Fürsterzbischof und Kardinal. Geb. Hausdorf, Mähren (Hukovice, Tschechien), 12. 6. 1863; gest. Unterlangendorf, Tschechoslowakei (Dlouhá Loučka, Tschechien), 24. 12. 1938. – S. stud. 1882–84 an der Univ. Innsbruck Jus, ab 1885 Theol. in Rom und Olmütz (Olomouc); 1889 Priesterweihe, 1890 Kaplan im röm. Anima-Kolleg, 1892 Dr. iur. can. an der päpstl. Univ. Gregoriana. Er wirkte dann als Seelsorger in Mähren, wurde 1896 Nichtresidentialkanonikus, 1898 Propst von Kremsier (Kroměříž), sodann Domherr in Olmütz. 1899 ernannte ihn K. Franz Joseph I. (s. d.) zum Nachfolger des Prager Fürsterzbischofs Schönborn (s. d.); 1900 Bischofsweihe und Inthronisation, 1901 Erhebung zum Kardinal. S., dessen Ernennung von der böhm. Öffentlichkeit als „antitschechische Maßnahme“ (Saurer) gedeutet wurde, stand im Ruf eines vom Wr. Hof geförderten, österr. gesinnten Aristokraten. Seine Amtszeit war überschattet vom schwelenden Nationalitätenkonflikt, der mit der Bistumsfrage (sprachl.-nationale Abgrenzung, Errichtung eines dt. Bistums Eger und eines „deutschen“ Priesterseminars in Leitmeritz/ Litoměřice) einherging. Unter dem Einfluß der Wr. Regierung ernannte der Hl. Stuhl daher 1901 zwei „nationale“ Weihbischöfe von Prag: den Dt. Wenzel Anton Frind und den Tschechen Krásl (beide s. d.). Unter der Regierung S.s konstituierte sich 1904 in Prag die reformkath. Landesvereinigung des tschech. kath. Klerus im Kg.reich Böhmen, die, anfangs von den Bischöfen gefördert, gegen Sozialismus und Liberalismus und gegen eine „feudale Kirche österreichischer Prägung“ (Rabas) kämpfte und sich u. a. mit der Weiterbildung der Landpfarrer, der Verbesserung der wirtschaftl. Lage des Klerus oder mit dem priesterl. Zölibat befaßte. Die ab 1906 offen zutage tretenden Spannungen zwischen den Bischöfen und der Jednota führten allerdings 1907 zum Entzug der kirchl. Zustimmung. S., der sich in Prag nie wirklich daheim fühlte, wurde 1916 nach einem offenen Eingreifen durch die Wr. Regierung vom Olmützer Domkapitel zum Erzbischof von Olmütz und Nachfolger von Franz Salesius Bauer (s. d.)postuliert, seine Translation erfolgte im selben Jahr. S. trat in der Öffentlichkeit kaum auf und stand in Diskrepanz zum tschech.- national gesinnten Klerus. Der polit. Umsturz bedeutete auch das Ende dieses österr. gesinnten Erzbischofs, der nach einem Autounfall 1920 auf sein Amt verzichtete.

L.: Časopis katolického duchovenstva 40, 1899, S. 325ff. (m. B.); J. Lenzenweger, Sancta Maria de Anima, 1959, S. 160; E. Saurer, Die polit. Aspekte der österr. Bischofsernennungen 1867–1903 (= Forschungen zur Kirchengeschichte Österr. 6), 1968, S. 207ff., 253; K. A. Huber, in:Archiv für Kirchengeschichte von Böhmen-Mähren-Schlesien 3, 1975, S. 138ff.; J. Rabas, ebd., S. 254ff.; K. A. Huber, ebd., S. 281ff.; B. Zlámal, ebd. 5, 1978, S. 237ff.; J. Matzke, Die Olmützer Erzbischöfe, 2. Aufl. 1978, S. 68ff.; A. Zelenka, Die Wappen der böhm. und mähr. Bischöfe, 1979, s. Reg.; E. Čánová, Slovník představitelů katolické církevní správy v Čechách ..., 1995; M. Kronthaler, Kirchen- und gesellschaftspolit. Bestrebungen sowie pastorale Bemühungen der Österr. Bischofskonferenzen 1848–1918, Habil.schrift Univ. Graz, 2000.
(M. Kronthaler)  
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 12 (Lfg. 57, 2004), S. 334
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