Skuherský, Franz Xaver (František Zdeněk) (1830-1892), Komponist, Musikpädagoge und -theoretiker

Skuherský Franz Xaver (František Zdeněk), Komponist, Musikpädagoge und -theoretiker. Geb. Opočno, Böhmen (Tschechien), 31. 7. 1830; gest. Budweis (České Budějovice, Tschechien), 19. 8. 1892; röm.-kath. –Sohn von Franz Alois S., Bruder von Rudolf S. (beide s. d.). S. stud. in Prag und später (1851) in Wien Med., absolv. daneben jedoch die Prager Orgelschule (1847) und wirkte 1854–66 in Innsbruck als Theaterkapellmeister, Direktor des Musikver. und Chordirektor der Univ.kirche. Er führte symphon.- (Beethoven, Schubert) und Chormusik (Haydn, Mendelssohn) auf, 1861 erfolgte die Urauff. seiner Oper „Der Liebesring“ (1868 als „Lora“ in tschech. Bearb. in Prag aufgef.). 1866 übersiedelte S. nach Prag und wirkte dort bis 1890 als Direktor der Orgelschule (an der er u. a. die Verlängerung des Stud. auf drei Jahre durchsetzte), 1879–87 auch als Lektor für Musiktheorie an der Univ. Daneben war er Organist bzw. Chordirektor an mehreren Prager Kirchen. Während von seinen Opernkompositionen lediglich „Der Apostat“ – unter dem Titel „Vladimír, bohů zvolenec“ 1863 als erste originale tschech. Novität am Prager Interimstheater aufgef. – einige Aufmerksamkeit verdient, ist das Wirken S.s auf dem Gebiet der Kirchenmusik sowie als Musiktheoretiker bedeutsam geworden. In seinen zahlreichen sakralen Kompositionen ging er zwar von den Prinzipien der kirchenmusikal. Reformbewegung des Caecilianismus aus, vertrat diesen aber nicht in seiner strengen Form; als Ausgangspunkt der Kirchenmusik Böhmens sah er das alttschech. Kirchenlied an. Seine Schriften haben durch ihre Fortschrittlichkeit (Möglichkeit der freien Modulation zwischen allen Tonarten) die junge tschech. Komponistengeneration (u. a. Janáček, s. d., Alois Hába)beeinflußt und gehören noch heute zu den Grundwerken der tschech. Musiktheorie.

W.: Messen; Gradualien; Offertorien; Opern; Kantaten; Choralvorspiele; Kammermusik; etc. – Publ.: O formách hudebních, 1873, 2. Aufl. 1884 (auch dt.); Nauka o skladbě hudební, 4 Bde., 1880–84; Velká theoreticko-praktická škola na varhany, 1884, 2. Aufl. 1949; Nauka o harmonii hudební na vědeckém základě, 1885 (auch dt.); etc.
L.: ČHS; Grove, 2001; Grove, Opera; K. Stecker, in: Dalibor 6, 1884, S. 48f., 147f., 166ff.; K. E. Hrobský, in:Česká hudba 16, 1910, S. 2f., 17ff., 33ff., 43ff.; J. Branberger, Das Konservatorium für Musik in Prag ..., 1911, s. Reg.; A. Hába, in: Klíč 1, 1930/31, S. 81ff.; J. Bartoš, Prozatímní divadlo a jeho opera, 1938, s. Reg.; C. Sychra, in: Cyril 69, 1943, S. 9ff.; K. Řehánek, in: Opus musicum 3, 1971, S. 225ff.; 175 Jahre Musikver. ... Innsbruck, ed. W. Steiner, 1993, bes. S. 34ff.
(V. Reittererová)  
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 12 (Lfg. 57, 2004), S. 338
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