Slama, Franz (1885-1938), Politiker und Rechtsanwalt

Slama Franz, Politiker und Rechtsanwalt. Geb. Brünn, Mähren (Brno, Tschechien), 19. 6. 1885; gest. Wels (OÖ), 21. 8. 1938. – Sohn eines vorerst in Karlsbad (Karlovy Vary), später in Rodaun (Wien) tätigen Stadtbaumeisters. S. besuchte die Volksschule in Karlsbad, bis 1905 die Gymn. in Bozen (Bozen/Bolzano) und Brixen (Brixen/Bressanone) und stud. anschließend an den Univ. in Graz und Innsbruck (1909 Dr. jur.). Ab 1910 arbeitete er als Rechtsanwaltskonzipist in einer Welser Rechtsanwaltskanzlei, meldete sich 1915 zum Kaiserjägerrgt. 1und wurde ab 1917 als Militärjurist verwendet. Nach dem 1. Weltkrieg kehrte S. in seine frühere Kanzlei zurück, bei der nun auch der spätere nationalsozialist. Linzer Bgm. Leo Sturma Teilhaber war. Polit. betätigte sich S. in den verschiedensten dt.nationalen Gremien und wirkte für die Großdt. Volkspartei, deren Obmannstellv. er ab 1927 war, auf Gmd.-, Landes- und Bundesebene. So war er 1924–28 Mitgl. des Welser Gmd.-ausschusses, 1925–31 Abg. zum Oö. LT und 1925–29 stellv. Landesobmann der oö. Heimwehr. 1928–30 amtierte er als Justizminister, wobei er bes. Augenmerk auf die Rechtsangleichung an das Dt. Reich legte und maßgebl. an der Gestaltung der Verfassungsnovelle 1929 beteiligt war. Nach dem Ende seiner Amtszeit eröffnete S. 1931 in Wels eine eigene Rechtsanwaltskanzlei und setzte sich v. a. als Verteidiger illegaler Nationalsozialisten in Szene. 1933–38 Mitgl. der Bundesleitung des Dt. Turnerbundes, fungierte er auch als Mitgl. des Ausschusses der oö. Rechtsanwaltskammer, war ab 1938 Mitgl. der Akad. für Dt. Recht in Berlin und auf wirtschaftspolit. Ebene u. a. als Präs. der Welser Lokalbahnges. präsent.

L.: Tages-Post (Linz), 22., 23. (A., m. B.), Völk. Beobachter (Niederdonau), 23., Welser Anzeiger, 27. 8. 1938; H. Slapnicka, OÖ – Zwischen Bürgerkrieg und Anschluß (1927–38) (= Beitrr. zur Zeitgeschichte OÖ 2), 1975, s. Reg.; ders., OÖ – Die polit. Führungsschicht 1918–38 (= ebd. 3), 1976 (m. B.); A. Zerlik, Sudetendt. in OÖ, 1981, S. 116; Protokolle des Ministerrates der Ersten Republik 9/1, bearb. G. Enderle-Burcel, 1988, s. Reg.; Die Matrikel der Univ. Innsbruck. Abt.: Rechts- und Staatswiss. Fak. 1/1, bearb. P. Goller, 1998, S. 489; Lex. bedeutender Brünner Deutscher 1800–2000, zusammengestellt E. Pillwein – H. Schneider, 2000.
(Ha. Slapnicka)  
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 12 (Lfg. 57, 2004), S. 347f.
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