Šokčevič, Josip Frh. von (1811-1896), Offizier und Banus

Šokčevič Josip Frh. von, Offizier und Banus. Geb. Vinkovci (Kroatien), 7. 3. 1811; gest. Wien, 16. 11. 1896; röm.-kath. – Sohn eines Off., mütterlicherseits Neffe der Gen. Markus, Paul und Albert v. Csollich. Nach Besuch der Militär-Akad. in Wr. Neustadt, 1823–30, zum IR 2 ausgemustert, wurde Š. 1838 Hptm. im 15. Grenz-IR und 1842 als Mjr. Gen.kmdo.-Adj. in Hermannstadt (Sibiu). 1845 zur Truppe rückversetzt, wurde er im Juni 1848 Obst. und Kmdt. des aus Ungarn rekrutierten IR 37, dessen Loyalität gegenüber dem Kg.haus er sicherstellte. Im Sommer 1849 nahm er mit dem Rgt. an der Belagerung von Venedig teil und wurde im Oktober GM und Brigadier in Petrinja, 1850 in Mitrowitz (Sremska Mitrovica), 1853 in Semlin (Beograd-Zemun) und 1854 Gen.adj. der 4. Armee unter H. Frh. v. Hess (s. d.). Ab Februar 1857 war er FML und Chef des Präsidialbüros im Armeeoberkmdo., ab März 1858 Stellv. des erkrankten Banus Jellačič (s. d.) und ab Juli 1859 Gouverneur und kommandierender Gen. im Banat, mit Sitz in Temesvár. Auf Empfehlung von Bischof Josip Juraj Strossmayer wurde Š. im Juni 1860 zum Banus, obersten Kapitän und kommandierenden Gen. von Kroatien und Slawonien, Gouverneur von Fiume (Rijeka) und Oberpräs. der Banaltafel in Agram (Zagreb) ernannt. Hier vertrat er den für einen Off. seiner Herkunft typ. prononciert kroat. und antimagyar. Kurs, hatte jedoch in der Praxis kaum Einfluß auf die polit. Ereignisse, da 1860 in Wien ein kroat. „Dikasterium“, 1862 eine Hofkanzlei als eigene, für Kroatien und Slawonien zuständige Oberbehörde eingerichtet wurden. So blieben seine Funktionen als Banus auf Formalien wie die Einberufung der LT beschränkt. Den Anschluß Dalmatiens an Kroatien-Slawonien konnte er nicht erreichen. 1867 FZM, trat er infolge des Ausgleichs, der Kroatien-Slawonien der ung. Reichshälfte zuwies, in Disponibilität und 1868 i. d. R. 1858 wurde Š. Geh. Rat und 1860 Frh. sowie im selben Jahr Inhaber des IR 78 und als ao. lebenslängl. Mitgl. in den verstärkten RR berufen. 1867 erhielt er das Großkreuz des Leopold-Ordens.

L.: WZ, 17. 11. 1896; Habsburgermonarchie 2, s. Reg.; Svoboda; Wurzbach; T. Allinger-Csollich, in: Adler, NF 9, 1972, S. 122; KA, WStLA, beide Wien.
(A. Schmidt-Brentano)  
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 12 (Lfg. 58, 2005), S. 398
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